Erfurt als Wanderkulisse
Ein Eis beim Bäcker
Wandern erfreut sich großer Beliebtheit. Oftmals werden lange Wege in Kauf genommen, um in fernen oder nicht ganz so fernen Gefilden diesem Hobby nachzugehen. Eine Wanderung ohne Anreise, also vor der eigenen Haustür zu starten scheint nur den Bewohnern einschlägiger Wandergebiete oder doch zumindest ländlicher Gebiete vorbehalten zu sein. Der Städter muss zum Wandern aus der Stadt heraus – wirklich?
Wir haben einfach das Erfurter Stadtgebiet als Wandergebiet betrachtet, eine Tour geplant und sind diese abgelaufen. Dabei sollte die Route Ansprüchen genügen, die auch an Wanderziele außerhalb der Stadt gestellt werden. Abwechslungsreiche Umgebung, schöne Aussichten und gerne auch mal ein interessantes historisches Gebäude. Sie ahnen es: Wir sind bei unserer Wanderung durch 10 Erfurter Stadtteile nicht enttäuscht worden.
Wir starten am Europaplatz in Gispersleben.

Der leichte Regen schreckt uns nicht. Mit erprobter Wanderausrüstung ausgestattet wenden wir uns der Nördlichen Geraaue zu. Um den Auenteich herum geht es vorbei am Moskauer Platz nach Westen.

Rechts die Hochhäuser und links der Marbach verlassen wir allmählich die städtische Kulisse. Über landwirtschaftlich genutzte Felder erreichen wir den Ortsteil Marbach. Bei einem örtlichen Bäcker gönnen wir uns die erste Pause.

Marbach besteht aus einem alten Ortskern, neu errichteten Einfamilienhäuser und mehreren Kleingartenanlagen. Durch diese führt unser Weg jetzt nach Süden.
Die einzigen Wanderer
Die KGV“s sind immer wieder von offenen Feldern und Obstbaumplantagen unterbrochen. Das ist richtiger „Landflair“ in Sichtweite der Kernstadt.

Unser nächstes Ziel zeigt sich von hier auch immer wieder: Als ersten touristischen Höhepunkt steuern wir den Petersberg an. Natürlich kennen wir die herrliche Aussicht von dort auf die Altstadt. Aber als Wanderer, die von den fernen Stadtteilen im Norden über die Marbacher Höhe kommend diesen Berg erklommen haben, ist der Blick auf die Altstadt ein anderer.

Runter zur Stadt geht es mit dem Aufzug, bevor es zum Dom wieder bergauf geht. Auf dem Domhügel scheinen wir die einzigen Wanderer unter den vielen Besuchern zu sein. Nach einem kurzen Blick in das Innere des Domes geht es weiter. Wir sind bei Kilometer 9 und haben noch 13 Kilometer vor uns.
Verpflegungsmöglichkeiten am Rande der Route
Wandern in der Stadt heißt auch immer wieder im Bewegungsdrang unterbrochen zu werden. Hauptgrund dafür ist, dass Ampeln das Überqueren der zahlreichen Straßen regeln,

was immer wieder zu unfreiwilligen Stopps führt. Erst mit zunehmender Entfernung zur Innenstadt werden die Wege unserer Tour wieder wandertauglich.
Zum herkömmlichen Wandern in freier Natur existiert beim Stadtwandern allerdings ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Wer in Gebieten mit schönster Natur, aber wenig entsprechender Infrastruktur Lust auf einen Kaffee oder eine Mahlzeit verspürt, wird neidisch auf die Verpflegungsmöglichkeiten am Rande unserer Route blicken.

Im Strom der Touristen
Nach der Pause im Espachpark kommen wir am Papierwehr zum westlichsten Punkt der Tour. Über den Kressepark erreichen wir den Steigerwald. Hier finden wir, was in der Stadt wenig vorhanden ist: Natur und richtige Wanderwege.

Quer durch den Steigerwald geht es zum Aussichtspunkt Tannenwäldchen. Von hier schweift unser Blick weit in den Norden von Erfurt, wo unsere Wanderung vor einigen Stunden ihren Anfang genommen hat.

Begleitet von begeisterten Gesängen aus dem Steigerwaldstadion – es scheint für den Rot Weiß Erfurt gut zu laufen an diesem Spieltag – beginnt der Abstieg nach Daberstedt. Durch den Südpark und dem Stadtpark geht es zum Bahnhof. Spätestens am Anger hat uns dann die Stadt zurück.

Das ist gut so, denn wir haben Hunger. Nach dem Besuch eines Bratwurststandes sind wir bereit für dem letzten Teil der Route. Im Strom der Touristen ziehen wir vom Wenigemarkt über die Krämerbrücke. Wie es sich für Wanderer, die eine bedeutende Sehenswürdigkeit erreicht haben, gehört, machen wir einige Fotos,

bevor es dem Endpunkt unserer Tour entgegengeht. Durch die Johannesvorstadt erreichen wir über den Stadtteilpark Johannesfeld Ilversgehofen, wo wir unsere Tour am Morgen mit dem Einstieg in die Straßenbahn begonnen haben.
Fazit:
Der Perspektivwechsel, der mit der Rolle des Wanderers einhergeht, lässt Erfurt neu erleben. Es hat fast etwas Skurriles, wenn der Anger plötzlich Teil einer Wanderroute ist. Für Bewohner der Stadt verändern sich so alltägliche Orte und Wege. Für Nichterfurter ist eine solche Wanderung über mehrere Stadtteile, durch verschiedene Quartiere und Naturräume sicherlich eine gute Möglichkeit, Erfurt kennenzulernen. Die Besichtigung der einschlägigen Sehenswürdigkeiten kann dabei einfach integriert werden.