Moskauer Platz Erfurt
Im 21“Jahrhundert angekommen
DDR spezifisches Gremium
Von außen betrachtet ist der Moskauer Platz ein typisches Erfurter Plattenbaugebiet aus Zeiten der DDR. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell, dass jeder dieser Stadtteile seine Besonderheiten hat. So wie der benachbarte Berliner Platz oder der Rote Berg, die mit ihren Eigenheiten das Stadtbild prägen. Grund genug, den Moskauer Platz bei einem Spaziergang genauer zu erkunden.
Wir beginnen unseren Rundgang im Südosten, direkt am Wasserkraftwerk an der Straße der Nationen. Das Kraftwerk wird mit Wasser aus der Talsperre Schmalwasser betrieben und bildet den Endpunkt der Westringkaskade – einer 45 Kilometer langen Wasserleitung vom Thüringer Wald nach Erfurt. Über einen großen Autoparkplatz – die Plattenbauviertel werden in der DDR stets mit ausreichend Parkplätzen ausgestattet – gelangen wir zu den vier Punkthochhäusern im Südwesten des Viertels. Diese Hochhäuser sind markante Punkte im Erfurter Stadtbild und prägen aus der Ferne die Silhouette des Erfurter Nordens.
Nur ein paar Schritte weiter erreichen wir den Mittelpunkt des Moskauer Platzes. Hier befindet sich zu DDR-Zeiten das Kultur- und Freizeitzentrum. Neben Restaurant, Bibliothek und Kegelbahn tagt hier auch ein DDR spezifisches Gremium: Um in der damaligen Zeit als Musikband auftreten zu dürfen, spielten hier angehende Bands vor und erhielten danach eine Einstufung. Grund/Mittel/Ober/Sonderstufe wurden nach dem Auftritt von dem Gremium vergeben – wer weiß, wie viele Karrieren hier begannen oder endeten.
Liebevolle Details
Das Gebäude wird in den 2010“er Jahren abgerissen, aber ein Kunstwerk an seiner Fassade bleibt davor bewahrt: Das Wandmosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau. In den 1980“er Jahren geschaffen, ist es heute wieder in der Budapester Straße zu sehen.
Mit vielen Geschäften und Marktständen hat sich dieser Platz als Zentrum des Stadtteils erhalten. Hier treffen sich die Bewohner, kaufen ein, plaudern und genießen das bunte Treiben. Er ist auch der soziale Mittelpunkt des Moskauer Platzes.
Von hier aus geht es weiter Richtung Norden. In der Sofioter und Havannaer Straße zeigt sich der Moskauer Platz als reines Wohnviertel. Die Atmosphäre ist ruhig, beinahe familiär und an vielen Stellen entdeckt man kleine, liebevolle Details zwischen den Wohnhäusern.
Fast wie am Strand
Und dann wird es richtig schön: Ein Teil der Nördlichen Geraaue grenzt direkt an den Moskauer Platz. Zuerst begegnen wir dem kleinen Auwald am Mühlgraben. Ein Stück Natur, das wir hier mitten in der Stadt kaum erwartet hätten.
Nicht weniger reizvoll, wenn auch angelegt und geplant ist der Auenteich mit seiner Umgebung, zu dem auch das Café am See gehört. Man fühlt sich fast wie am Strand und beim Blick auf den See denken wir: Schön haben sie es, die Bewohner des Moskauer Platzes. Das ist echte Lebensqualität am Wohnort.
Es wird wieder gebaut
Der Stadtteil hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Viele Gebäude sind saniert, Bäume gewachsen und Freizeitanlagen aus der Gründerzeit des Stadtteils modernisiert oder neu errichtet. Spielplätze, Sitzecken, Fassaden– fast alles ist neu. Wer den Charme alter Zeiten sucht, muss schon genau hinschauen, um dahingehend fündig zu werden.
Nachdem die Einwohnerzahl nach der Wende 1990 zunächst sinkt und viele Gebäude abgerissen werden, wird heute wieder gebaut. Als wir auf der Brücke über die Straße der Nationen einen Blick zurückwerfen, sehen wir einen Stadtteil, der den Sprung in das 21“Jahrhundert erfolgreich absolviert hat.