Runde um Questenberg
Eine Wanderung im Südharz
Einer der ältesten Bräuche in Mitteldeutschland
Wer von Erfurt aus in Richtung Südharz fährt, erreicht nach gut einer Stunde die Straße zwischen Roßla und Agnesdorf. Dort liegt ein kleiner Wanderparkplatz, ruhig zwischen Feldern und Waldrändern. Von hier startet unsere Runde: Ein abwechslungsreicher Weg durch Wälder und Frühlingswiesen mit schönen Ausblicken – etwa auf das Kyffhäuserdenkmal – bis nach Questenberg.
Vom Parkplatz geht es zunächst leicht bergauf. Der Pfad öffnet sich immer wieder zu kleinen Wiesenstücken, dann verschwindet er wieder im Wald. Es ist ein angenehmer Wechsel: Kurze Ausblicke ins weite Land und immer wieder Licht und Schatten.
Unser erstes Ziel ist der Ort, an dem das Questenkreuz steht. Als wir aus dem Wald treten, liegt der Platz plötzlich vor uns – offen, steinig und mit dem kargen Bewuchs eines Karsthügels. Von hier sieht man das Tal, in dem Questenberg liegt und die Höhenzüge, die es umgeben. Jedes Jahr findet auf diesem Berg das Questenfest statt, ein traditionelles Pfingstritual, bei dem das Questenkreuz mit frischem Grün versehen wird. Der Brauch gilt als einer der ältesten seiner Art in Mitteldeutschland.
Mystik des Ortes
Von der Queste führt ein schmaler Weg hinunter ins Dorf. Erwähnt sei, dass es auch die Möglichkeit gibt, direkt im Ort den Weg zur Queste zu beginnen – dann geht es allerdings gleich steil bergauf.
Wir laufen durch den Ort, vorbei an alten Höfen und kleinen Gärten. Questenberg wirkt ruhig, fast verschlafen. Gerade das macht den Charme dieses kleinen Dorfes aus. Ein wenig Trubel geht vom Hof der örtlichen Gaststätte aus. Unser Ziel ist die Dorfkirche, die meist geöffnet ist. Der Innenraum vermittelt in seiner Schlichtheit eine jahrhundertealte Frömmigkeit, wie man sie heute nicht oft erlebt.
Vertieft wird dieser Eindruck durch Tafeln verstorbener Questenberger Kriegsteilnehmer und Fotos früherer Ereignisse rund um die Kirchengemeinde. Diese finden sich an der nördlichen Außenmauer. Als wir die Kirche verlassen, sind wir auf frühere Zeiten eingestimmt – der richtige Moment, um den Aufstieg zur Burgruine in Angriff zu nehmen. Der Pfad dorthin führt durch einen Laubwald steil nach oben. Hier hat die Natur manches geformt, das sich nahtlos in die Mystik des Ortes einfügt. Oder ist hier wirklich ein Wal gestrandet?
Questenberger Gletschertöpfe
Nach einigen hundert Metern öffnet sich der Wald. Durch den erhaltenen Torbogen gelangen wir in den ehemaligen Hof der Burg. Die Lage ist beeindruckend. Die Burg thront über dem Tal. Von oben sieht man sowohl das Dorf als auch die Queste auf der gegenüberliegenden Seite. Zwischen beiden liegt das tiefe Tal, in dem Questenberg seit Jahrhunderten liegt.
Die Burg Questenberg stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie diente als Schutz- und Verwaltungssitz, verlor aber im Laufe der Jahrhunderte an Bedeutung. Heute sind der Bergfried, die Außenmauer der Pallas und das Tor zur Oberburg noch gut zu erkennen.
Zurück im Dorf folgen wir dem Karstwanderweg ein Stück in Richtung Hainrode. Der Weg führt durch die typischen Formen der Karstlandschaft. An mehreren Stellen weisen Schilder auf sogenannte Schwinden hin: Stellen, an denen Wasser im Untergrund verschwindet und in den Höhlensystemen des Südharzes weiterfließt. Dabei weitet sich das Tal und wir bekommen Lust, dem Karstwanderweg weiter zu folgen. Allerdings ist es schon spät geworden. Der Weg zurück zum Parkplatz führt uns erneut durch das Dorf und über den nördlichen Aufstieg zur Queste. Unten am Rand des Dorfes finden sich die Questenberger Gletschertöpfe – Auskolkungen im ehemaligen Bachbett der Nasse. Diese fließt heute ein paar Meter tiefer durch den Ort.
Von der Queste geht es schließlich zurück zum Parkplatz. Der Weg führt uns nochmals durch den Wald, mit langen ruhigen Passagen und kleinen Lichtungen. Kurz vor dem Ziel steht eine Sitzraufe, an der wir eine Pause machen. Ein guter Ort, um die Runde ausklingen zu lassen.
Fazit
Die Runde um Questenberg ist eine abwechslungsreiche Wanderung durch eine besondere Landschaft. Karstformen, Waldwege, ein ruhiges Dorf und zwei markante Aussichtspunkte – Queste und Burgruine – machen die Tour zu einem besonderen Ausflug. Von Erfurt aus ist Questenberg gut mit dem Auto erreichbar. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln geht es ebenfalls, dauert aber länger. Wer gern mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann über Wickerode anreisen – sportlich, aber möglich. Eine Tour, die zeigt, wie vielfältig der Unterharz ist und wieviel Geschichte in einem kleinen Tal liegen kann.