Foto: (v.l.) Heike Langguth, Andreas Horn, Thomas Quittenbaum/Stadtverwaltung Erfurt

 

Stadtverwaltung zieht positive Bilanz

Die Landeshauptstadt hat ein herausforderndes Wochenende erlebt. Rund 31.000 Menschen waren bei den 34 angemeldeten Kundgebungen gegen den Bundesparteitag der AfD unterwegs. Hinzu kamen noch jeweils rund 15.000 Besuchende der beiden Domplatz-Konzerte am Freitag und Samstag. Dennoch können der Oberbürgermeister und die Leiterin des Verwaltungsstabes eine positive Bilanz ziehen.

Einsatzkonzepte gingen auf – Reibungslose Zusammenarbeit zwischen Stadt und Polizei

Die Stadtverwaltung hat sich intensiv auf das erste Juliwochenende vorbe­reitet und bereits Anfang des Jahres einen Verwaltungsstab eingerichtet. Ämterübergreifend wurden unterschiedlichste Aspekte des Wochenendes bedacht. Der Verwaltungsstab wurde von Heike Langguth, der Bürgermeis­terin und Beigeordneten für Sicherheit, Bürgerservice und Gesundheit, geleitet.

Dem Verwaltungsstab gehörten Vertreter verschiedener Ämter an, beispiels­weise der Versammlungsbehörde des Bürgeramtes, des Tiefbau- und Ver­kehrsamt, des Amtes für Gebäudemanagement oder auch der Feuerwehr. Im Sinne kurzer Abstimmungswege hatten darüber hinaus externe Partner wie die EVAG und die Polizei einen Platz im Verwaltungsstab.

„Unsere Strategie ist aufgegangen“, stellt Oberbürgermeister Andreas Horn zufrieden fest. „Wir waren bestmöglich auf verschiedene Szenarien vorbe­reitet. Die überwiegend friedlichen Proteste spielten uns dabei in die Kar­ten, sodass wir eine positive Bilanz ziehen können. Auch das Feedback der Erfurter Bevölkerung gibt uns Recht, die Rückmeldungen waren durch­gehend wohlwollend und positiv.“

„Um die zahlreichen Kundgebungen und Demonstrationszüge abzusichern, mussten zeitweise rund 15 Straßen gesperrt und dafür rund 1.800 Verkehrs­schilder aufgestellt werden. Die 34 angemeldeten Versammlungen und zahlreiche Spontanversammlungen am Samstag wurden von 31.000 Teilnehmenden wahrgenommen“, fasst Oberbürgermeister Andreas Horn zusammen.

Verwaltungsstabsleiterin Heike Langguth weist darauf hin, dass alles, was vorbereitet wurde, auch so umgesetzt werden konnte. „Es gab Fragen, aber keine Beunruhigung in der Stadt. Alle – Besucher, Händler, Anwohner, Kon­zertbesucher und Versammlungsteilnehmer – konnten das machen, wozu sie in die Stadt gekommen sind“, sagt Heike Langguth. Mit Blick auf die Stabs­arbeit stellt sie fest: „Die reibungslose Zusammenarbeit am Wochenende spricht für sich. Wir haben eine neue Struktur etabliert und sind gerüstet für künftige Krisensituationen.“

Roland Kaiser Konzert Domplatz 03.07.2026_erfurt

Foto: Roland Kaiser auf dem Domplatz/Redaktion

Rückblickend auf ihre Besuche einzelner Versammlungen fasst Heike Langguth zusammen: „Die Stadt war voll, die Stadt war bunt“, und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu, dass das vielleicht auch der jüngsten Auszeich­nung als glücklichste Stadt geschuldet ist. Das soll jedoch nicht über die Gedanken im Vorfeld hinwegtäuschen: „Etwas besorgt ist man immer, man hat schließlich Verantwortung. Nach den Bildern aus Gießen, Essen und Riesa waren wir auf alles eingestellt. Insofern bin ich froh, dass es erstmals in Zusammenarbeit mit Polizei und den Versammlungsanmeldern gelungen ist, alle Interessen und Grundrechte zu gewährleisten und in Einklang zu bringen.“

Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung waren an diesen drei Tagen – und teilweise schon zuvor – im Schichtdienst im Einsatz. Hinzu kamen noch einmal mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rufbereitschaft. Im Stadtgebiet waren 40 Lotsinnen und Lotsen auf sechs Rou­ten unterwegs und standen den Erfurterinnen und Erfurtern sowie auch den Tagesgästen als Ansprechpartner zur Verfügung. Beim Bürgertelefon, das durch 26 Menschen betreut wurde, gingen in Summe 1.301 Anrufe seit Frei­schaltung ein. Per E-Mail erreichten den Verwaltungsstab knapp 330 Anfragen.

Auch die Öffentlichkeitarbeit lief sehr gut: Die Sonderseite mit dem Fragen- und Antworten-Katalog www.erfurt.de/juli2026 war überdurchschnittlich gut frequentiert. In dieser Woche gab es 132.000 Besuchende statt der sonst durchschnittlich 60.000 Nutzenden auf www.erfurt.de. Den Liveticker haben am Freitag mehr als 17.000, am Samstag fast 15.000 Menschen gelesen. Sehr beliebt als Informationsquelle war auch der WhatsApp-Kanal der Stadtver­waltung Erfurt, dessen Nutzerzahl sich auf über 11.000 Follower verdrei­fachte. Über Instagram-Storys wurden im Durchschnitt jeweils rund 11.000 Menschen erreicht.

Ein positives Fazit zieht auch Thomas Quittenbaum, Präsident der Landes­polizeidirektion Thüringen: „Wir hatten für dieses Wochenende drei Ziele. Erstens: Die Gewährleistung der Grundrechte aus Artikel 21, das heißt, der Bundesparteitag der AfD findet pünktlich und störungsfrei statt. Zweitens, den über 31.000 Versammlungsteilnehmenden ihr Grundrecht auf Versamm­lungsfreiheit in unterschiedlichsten Formen zu ermöglichen. Und drittens, das öffentliche Leben in der Landeshauptstadt so wenig wie möglich zu be­einträchtigen und das bunte Leben aufrechtzuhalten. Dies ist dank unseres Einsatzkonzeptes, der friedlichen Versammlungsteilnehmer und des Kon­zeptes der Stadt Erfurt hundertprozentig gelungen.“

Damit endet einer der größten Polizeieinsätze der vergangenen Jahre in Thüringen und eine der komplexesten Versammlungssituationen der Thürin­ger Landeshauptstadt in der in Erfurt, wie der Oberbürgermeister feststellt, „ein Zeichen für eine lebendige Demokratie gesetzt wurde“.

Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt