In den vergangenen Tagen erfolgten in Töttleben und Kerspleben die ersten Schritte für mehr Vielfalt und Struktur in der Agrarlandschaft. Die Agrargenossenschaft Kerspleben und der Ackerbaubetrieb Stefan Dittmar haben zwei Feldwegeflurstücke in Blühstreifen verwandelt bzw. mit der Einsaat den ersten Grundstein dafür gelegt.

 

im Vordergrund eine große landwirtschaftliche Maschine, im Hintergrund ein Feld mit einem geackerten Streifen

Foto: Die angelegten Blühstreifen bleiben dauerhaft erhalten. Foto: © Diana Ortmann

 

Die Feldwege waren bisher an die Landwirte verpachtet und wurden als Ackerland genutzt. Das Umwelt- und Naturschutzamt geht mit dieser Maßnahme weitere Schritte, um die Biodiversitätsstrategie der Stadt Erfurt mit Leben zu füllen. Die Flächen bleiben dauerhaft als Blühstreifen erhalten.

„Das Insektensterben ist mittlerweile für alle greifbar und als eine der großen Herausforderungen für die Gesellschaft identifiziert. Die großen einheitlichen Strukturen in der Landwirtschaft und fehlende Blühstreifen sind einige der Gründe für den Rückgang der Artenvielfalt. Eine Gegenmaßnahme ist die dauerhafte Anlage von Feldrainen und blütenreichen Flächen, die auch verschiedene Biotope miteinander vernetzen“, erläutert Jörg Lummitsch, Leiter des Umwelt- und Naturschutzamtes. „Wir führen damit unsere Feldwegeprojekte weiter, mit dem bereits in der Vergangenheit auch Bäume und Sträucher an Wege in der Landschaft gepflanzt wurden“, freut sich Lummitsch.

Insektenvielfalt ist ebenfalls eine notwendige Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion. Außerdem nehmen durch eine höhere Insektenvielfalt auch die natürlichen Gegenspieler von Schädlingen zu und es muss weniger gespritzt werden. Auch die Produktivität auf den angrenzenden Ackerflächen kann steigen.

Die aktuelle Maßnahme findet im Rahmen des Projekts „Via Natura 2000 – Vernetzung für Insekten in der Agrarlandschaft zwischen Natura-2000-Gebieten in Thüringen“ statt. Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Weitere Mittel stellt das Thüringer Umweltministerium. Die begrünten und dann im Sommer blühenden Flächen können sich die Landwirte auch in der Förderkulisse der Europäischen Union anerkennen und bezahlen lassen. Die hat den Landwirten einen bestimmten Flächenanteil für ökologische Maßnahmen vorgeschrieben.

Neben den Landwirten sind in dem Projekt weitere wichtige Partner der Landschaftspflegeverband Mittelthüringen und die Natura 2000-Station „Mittelthüringen/ Hohe Schrecke“. Letztere ist Träger des Projektes in den Landkreisen Sömmerda und Weimarer Land sowie der Stadt Weimar und Randbereichen von Erfurt.

Die Stadt Erfurt will das Projekt nutzen, um weitere Feldwege zu begrünen und wertvolle Biotopstrukturen zu vernetzen, damit seltene Arten sich noch besser verbreiten und austauschen können. Grundlage hierfür ist auch der Landschaftsplan und die Biodiversitätsstrategie der Stadt Erfurt.

Interessierte Landwirte können sich an umweltamt@erfurt.de wenden.

Hintergrund

Ziel des im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten Projektes „Via Natura 2000“ ist es, die historisch gewachsene Kulturlandschaft in einigen Bereichen Thüringens durch die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Kommunen und weiteren Interessierten zu stärken. Das Projektteam aus Stiftung Naturschutz Thüringen, den Trägern von fünf Natura-2000-Stationen und der Umwelt- und Agrarstudien GmbH setzt sich für die Aufwertung und Neuanlage und den dauerhaften Erhalt bunter, artenreicher Feldraine ein.

Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt

 

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