Das Stadtmuseum Erfurt stellt immer wieder einzelne Objekte seines Bestandes als „Objekte des Monats“ aus, um diese und ihre Geschichte dahinter expliziter vorzustellen. Im Februar können Besucherinnen und Besucher des Museums hier die Hintergründe der sogenannten „Südwestafrika-Denkmedaille“ erfahren.

Stadtmuseum beleuchtet mit Objekt des Monats verdrängtes Kapitel deutscher Geschichte

Die Medaille ist Teil eines heute verdrängten Kapitels der deutschen Geschichte. Sie wurde ursprünglich für die Kämpfer und Mithelfer im Krieg gegen die aufständischen Herero und Nama im „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika angefertigt und 1907 an diese verliehen. Die Tötung von schätzungsweise bis zu 80.000 Menschen weit über die Kampfhandlungen hinaus durch die Schutztruppe unter General Lothar von Trotha sorgte bereits bei Zeitgenossen für Empörung, insbesondere seitens der Sozialdemokratie unter „Arbeiterkaiser“ August Bebel.

Die Mehrheit der Zeitgenossen jedoch billigte im Zeitalter des Kolonialismus mit seinen weit verbreiteten rassistischen und sozialdarwinistischen Denkmustern das militärische Vorgehen. Die Angehörigen der Schutztruppe wurden nach der Niederschlagung des Aufstands von der bürgerlich-nationalen Bevölkerung in der Heimat als „siegbare Streiter“ gefeiert und erhielten als Auszeichnung die Medaille in Bronze, für Nichtkämpfer aus Stahl. Auf der Münze aus dem Bestand des Stadtmuseums sind die Germania, eine Allegorie auf Deutschland, mit geflügeltem Helm sowie auf dem Revers die Widmung mit Monogramm von Kaiser Wilhelm dem Zweiten zu sehen.

Die Münze wird den gesamten Februar im Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“ zu sehen sein.

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