Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen begeht das 70. Jubiläum der Neuen Synagoge und lädt Bürgerinnen und Bürger zur Festveranstaltung am 31. August 2022 am Max-Cars-Platz ein. Die Neue Synagoge bildet den Mittelpunkt einer lebendigen Gemeinde. Hier werden unter anderem die wöchentlichen Shabbat-Gottesdienste gefeiert.

Denkmal Große Synagoge wird eingeweiht

Errichtet wurde die Neue Synagoge 1952 von Überlebenden der Shoah am heutigen Max-Cars-Platz an der gleichen Stelle, an der bis 1938 die Große Synagoge stand. Zur Erinnerung an diese zerstörte Synagoge wird zum Jubiläum ein mit innovativster Technik geschaffenes Denkmal von Oberbürgermeister Andreas Bausewein an die Öffentlichkeit übergeben. Für dieses Denkmal wurde im 3D-Druckverfahren ein Tastmodell im Maßstab 1:68 hergestellt, das feinste bauliche Details wie die Davidsterne in den Fensterstrukturen und die hebräische Inschrift mit der Bedeutung „Denn mein Haus soll ein Gebetshaus für alle Völker genannt werden“ (Jesaja 56,7) verdeutlicht. Rund 6.000 Mal wurde dafür eine nur 0,06 mm dicke Schicht Aluminiumpulver auf eine Platte aufgetragen und punktuell mit zwei Lasern geschmolzen. Das Tastmodell steht auf einem Sandsteinsockel und wird durch kurze Erläuterungen in Deutsch, Englisch sowie in Brailleschrift ergänzt.

Die virtuelle Rekonstruktion der Große Synagoge wurde in einem von der Thüringer Staatskanzlei geförderten interdisziplinäres Kooperationsprojekt des Erinnerungsortes Topf & Söhne, der Universität und Fachhochschule Erfurt und der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek unter Leitung von PD Dr. Annegret Schüle und in enger Abstimmung mit Landesrabbiner Andreas Nachama erarbeitet. Auf dieser Datenbasis entstand eine Virtual-Reality-Anwendung für eine VR-Brille, ein Web-3D-Modell und das Tastmodell für das Denkmal.

Im Jahr 1938 wurde die Große Synagoge von den Nationalsozialisten geplündert und in Brand gesetzt. Nun sind die imposante Architektur und die historische Präsenz jüdischen Lebens wieder sichtbar, erlebbar und greifbar. Die Große Synagoge kann virtuell besucht werden und sie kehrt als Modell an den historischen Standort zurück.

Die Eröffnung des Denkmals um 18:15 Uhr steht im Zentrum des Festprogramms mit Musik der Mazl Tov Klezmer Kapelye und des Misrach-Ensembles sowie einer Aufführung der Tanzgruppe der Jüdischen Landesgemeinde, das um 17:15 Uhr beginnt.

Mit der Übergabe des Denkmals Große Synagoge zum 70. Jubiläum der Neuen Synagoge verbindet die Stadt Erfurt eine doppelte Botschaft: Glückwünsche an die Gemeinde und ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus, für Demokratie, Religionsfreiheit und Menschenrechte.

 

Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt

 

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