Julia Patze
Cross Skaterin aus Erfurt
Gefühl von Freiheit
Wer in Erfurt unterwegs ist und eine Frau auf Cross Skates vorbeigleiten sieht, hat gute Chancen, Julia Patze zu begegnen. Die Erfurterin zählt zu den prägenden Figuren einer Sportart, die in Deutschland noch ein Nischendasein führt. Für Julia beginnt alles im Jahr 2014 eher zufällig. „Ich bin eigentlich gebürtige Inline-Skaterin“, erzählt sie, „der Betreiber eines Rollenshops hat mich dann auf Cross Skates aufmerksam gemacht, vorher wusste ich gar nicht, dass es sowas gibt“
Was sie dort sieht, überzeugte sie sofort. Die breiten Luftreifen, die Stabilität, die Möglichkeit, endlich unabhängig vom Untergrund zu fahren. „Das löst all meine Probleme, die ich mit dem Inlineskaten immer hatte“, sagt sie. Ein Kurs später war klar: Das ist ihr Sport. Seitdem ist Julia auf Cross Skates unterwegs – und das nicht nur für sich selbst.
2014 gründete sie den Skate Treff Erfurt, der seit 2026 zum SSV Erfurt Nord gehört. Dort trainiert sie Anfängerinnen und Fortgeschrittene, vermittelt Technik, Haltung und Sicherheit. „Die Menschen sind so bunt wie ihre Technik“, sagt sie. „Ich muss immer schauen, was jemand mitbringt und welche Ziele er hat.“ Dass der Sport anspruchsvoller ist, als er aussieht, verschweigt sie nicht. „Bis man wirklich sicher fährt, muss man im Normalfall schon so 150 Kilometer gefahren sein.“
Cross Skating ist für Julia mehr als Bewegung. Es ist ein Gefühl von Freiheit. „Ich mag, dass ich sehr untergrundunabhängig bin“, sagt sie. Asphalt, Kies, Waldwege – vieles ist möglich. Dazu kommt die Wadenbremse, die ihr Sicherheit gibt. „Beim Inline-Skaten hatte ich immer das Problem, wie krieg ich Geschwindigkeit raus. Bei den Cross Skates kann ich mein Tempo viel besser variieren.“
Kleine Szene mit Leidenschaft
Erfurt spielt in Julias Geschichte eine ebenso große Rolle wie der Sport. Sie ist hier geboren, aufgewachsen ist sie nach ein paar Monaten am Gothaer Platz, im nördlichen Stadtteil Tiefthal.
Ihre erste Erinnerung an die Stadt verbindet sie mit einer Fahrradtour in die Marktstraße. „Als Kind bin ich mit meinen Eltern auf dem Fahrrad in die Innenstadt gefahren, um ein Eis zu essen. Das war für mich Erfurt.“ Heute ist die Geraaue einer ihrer Lieblingsorte. „Es ist idyllisch, neu gemacht und ich kann hier gut mit den Cross Skates fahren.“ Ein zweiter wichtiger Ort liegt etwas außerhalb: Der Hundeplatz in Stotternheim, wo sie als Hundetrainerin arbeitet.
Erfurt beschreibt sie als überschaubar, familiär und angenehm ruhig. „Viele Städte, in denen ich war, waren sehr groß und erschlagend – das hat man hier nicht.“ Wegziehen kommt für sie nicht infrage. Zu viel Engagement, zu viele Menschen, zu viele Wurzeln.
Foto: Skate Treff Erfurt/Privat
Neben dem Skate Treff engagiert sich Julia im deutschlandweiten Verein Roll dich fit e.V., der Wettkämpfe, Ausfahrten und Cross-Skating-Biathlons organisiert. „Wir haben deutschlandweit vielleicht 300 bis 400 Leute, die wirklich fahren“, sagt sie. Eine kleine Szene, aber eine leidenschaftliche. In Frankenhain, auf einer echten Biathlonstrecke, findet jedes Jahr einer der Höhepunkte statt. „Biathlon auf Rollen, das ist schon anspruchsvoll“, sagt sie, „aber genau das macht es aus.“
Wenn Julia nicht auf Skates steht, ist sie selten untätig. Sie tanzt, trainiert Hunde, läuft als Guide mit einem blinden Läufer durch die Geraaue – für Sofa und Spielkonsole ist da nur manchmal Zeit. Ein Leben zwischen Bewegung, Ehrenamt und Gemeinschaft – und drumherum eine Stadt, die für sie genau die richtige Größe hat.