Die Kammerlöcher bei Angelroda

Eine beeindruckende Felsenklamm
Es gibt Ecken im Thüringer Wald, bei denen ich mich frage, warum zum Teufel ich noch nicht dort war. Die Kammerlöcher zwischen Angelroda und Martinroda sind so ein Ort.
Der ideale Startpunkt ist der Wanderparkplatz in Angelroda. Auf einem schönen Waldrandweg ging es halb um den Weißen Stein herum. So heißt der Berg dort. Dann geht es bergauf: Irgendwo hier sollen die Kammerlöcher sein, die wir mal abchecken wollten. Nachdem wir ihn fast verpasst haben, hat uns meine Lieblings-Wander-App mapy.cz auf den Einstiegspfad gelotst.
 
Der vetseckte Einstieg zu den Kammerlöchern im Thüringer Wald
Der Weg zu den Kammerlöchern

Den Beginn, den Einstieg zu den Kammerlöchern kann man leicht übersehen. Wer sehr gut aufpasst, kann auf den Felsstufen des Weges eine Versteinerung im Kalkgestein entdecken.

versteinerung an den Kammerlöchern, Thüringen
Und nun die große Überraschung. Parallel zum Berghang öffnet sich eine recht große Kluft im Kalkstein, schon eine kleine Schlucht. Über ca. 300 Meter kann man dem schmalen Pfad neben der Felsklamm folgen und immer wieder hinabblicken.
 
Die kammerlöcher sind eine beeindruckende versteckte Felsklamm oberhalb des Tales der zahmen Gera in Thüringen

Wer es etwas fordernder mag, genießt den kleinen Steig direkt zwischen den steil aufragenden Felswänden. Das ist zwar nichts für Sandalenwanderer, aber auch keine Felskletterei. Über Kalkbrocken und trockenes Buchenlaub geht es ein paarmal bergauf und bergab. Die Felswände links und rechts sind zwischen 2 und 7 Metern hoch. Bitte nicht nachmessen; ich habe die Höhe nur geschätzt.

An den Kammerlöchern kann man zwischen eng stehende Felsen hindurchlaufen
Rechts die Klamm, links der Blick über das Tal der Zahmen Gera hinüber zum Thüringer Wald. Zum Abschluss gibt es am Berghang sogar einige Felsnadeln, die ans Elbsandsteingebirge erinnern.
Felsnadel: Nicht Sächsische Schweiz, sondern die Kammerlöcher bei Martinroda in Thüringen
Blick in die Felsklamm im Kalkgestein

Ein Plateau mit einer sehr soliden Blockhütte und tollem Talblick lädt dann zur Rast ein.

Kammerlöcher: Ein Blockhaus als Schutzhütte und Rastplatz
Aussichtspunkt Thüringer Wald: Das Plateau bei den kammerlöchern
Aussichtspunkt Thüringer Wald: Das Plateau bei den kammerlöchern

Und zur richtigen Zeit gibt es einen tollen Sonnenuntergang mit Blick zum Thüringer Wald-

kammerloecher geraberg thueriingen_erfurt

Alles was Sie über die Kammerlöcher wissen müssen

Die Kammerlöcher sind ein faszinierendes geologisches Phänomen, das im Herzen des Thüringer Waldes zu finden ist. Diese beeindruckende Felslandschaft, die sich zwischen den Ortschaften Angelroda und Geraberg im mittleren Ilm-Kreis erstreckt, zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Die Kammerlöcher sind eine Reihe von Felsabstürzen im Tal der Zahmen Gera und bilden ein Flächennaturdenkmal von besonderer Schönheit.

Werbung

Die Entstehung der Kammerlöcher

Die Kammerlöcher haben ihre Entstehung einer geologischen Entwicklung vor etwa 140 Millionen Jahren zu verdanken. Damals, während der sogenannten sächsischen Gebirgsbildung, hob sich der Thüringer Wald aus einem ehemaligen Meer empor. Im Zuge dieser geologischen Veränderungen entstanden nördlich des Kammes ausgedehnte Muschelkalkhochflächen, die als Ohrdrufer Platte bezeichnet werden. Durch die Einwirkung von Flüssen bildeten sich einzelne Schollen, zu denen auch der Berg gehört, von dem die Felsen der Kammerlöcher stammen, die als Reinsbergscholle bekannt ist.

Im Laufe der Zeit grub sich die Zahme Gera immer tiefer in das Gestein ein und formte so das schluchtartige Gelände der Kammerlöcher. Durch die Verwitterung des relativ weichen Muschelkalkgesteins und die Wirkung der Schwerkraft brachen über Jahrtausende hinweg einzelne Felsschollen vom Kirchberg ab und bildeten die bizarren Felsformationen, die wir heute bewundern können. Die Kammerlöcher sind also ein lebendiges Zeugnis der geologischen Schichtfolge des unteren Muschelkalkes und ermöglichen uns Einblicke in die Entstehungsgeschichte dieser Region über Millionen von Jahren hinweg.

Die beeindruckende Flora der Kammerlöcher

Ein weiterer faszinierender Aspekt der Kammerlöcher ist ihre einzigartige Flora. Aufgrund der großen Unterschiede in der Sonneneinstrahlung auf kleinen Flächen hat sich im Bereich der Kammerlöcher eine abwechslungsreiche Muschelkalkflora entwickelt. Die Hänge des Berges und die Felsblöcke sind mit einem Schutzwald bewachsen, der zahlreiche Pflanzenarten beherbergt. Besonders bemerkenswert sind die etwa 50 Eiben, die in diesem Gebiet zu finden sind. Diese immergrünen Bäume verleihen der Felslandschaft eine besondere Atmosphäre und tragen zur Artenvielfalt der Kammerlöcher bei.

Sagen und Legenden

Die Kammerlöcher sind nicht nur ein geologisches Wunder, sondern auch Schauplatz zahlreicher Sagen und Legenden. Die sagenumwobene Felsenwelt, mit ihren winzigen Vertiefungen und Höhlen, hat die Fantasie der Menschen in der Region immer wieder angeregt. Eine der bekanntesten Sagen ist die der „Zwerge der Kammerlöcher“, die im 19. Jahrhundert von Ludwig Bechstein aufgeschrieben wurde. Diese Geschichte erzählt von den unsichtbaren Zwergen, die einst in den Felsenkammern hausten und den Bewohnern der umliegenden Dörfer allerlei Schabernack trieben. Die Legende besagt, dass die Zwerge nur durch den Einsatz von Taxuszweigen sichtbar gemacht werden konnten und dass sie die Form des Kreuzes verabscheuten.

Wandern in den Kammerlöchern

Wer die Kammerlöcher besucht, kann nicht nur die faszinierende Natur und die geologische Schönheit erleben, sondern auch einen wunderbaren Wanderweg erkunden. Der Rundwanderweg, der in Angelroda beginnt und endet, erstreckt sich über eine Strecke von etwa 4,5 Kilometern. Dieser Weg führt durch einen malerischen Buchenwald und bietet atemberaubende Ausblicke auf die Kammerlöcher und die umliegende Landschaft. Es ist wichtig zu beachten, dass der Weg nicht mit einem Kinderwagen, Buggy oder Rollstuhl passierbar ist und daher eher für Familien mit Kindern zu Fuß geeignet ist. Beim Wandern in den Kammerlöchern sollte man auch immer Vorsicht walten lassen, da der Prozess des Felsabbruchs noch immer im Gange ist.