Erfurter Kindergärten und Tagespflege vor großen Herausforderungen

Der demografische Wandel und seine Folgen stellen die Erfurter Kita-Landschaft vor große Herausforderungen. Bis mindestens 2030 werden die Geburtenzahlen voraussichtlich weiter sinken, was zu einer deutlich geringeren Nachfrage nach Betreuungsplätzen in der Kindertagespflege und in Kindertageseinrichtungen führt.

Stadtverwaltung will flexible Lösungen statt eines starren Moratoriums

Diese Entwicklung löst verständlicherweise Sorgen bei Eltern sowie pädagogischen Fachkräften aus. Die Angst um die Beständigkeit der gewohnten Betreuung und die Sicherheit der Arbeitsplätze nimmt die Stadtverwaltung sehr ernst.

Die Landeshauptstadt setzt daher auf einen Weg, der Verlässlichkeit für Familien und Fachkräfte schafft, ohne dabei die finanzielle Stabilität des Gesamtsystems zu gefährden. Ziel ist es, den Wandel nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg, sondern als gemeinsamen und transparenten Prozess zu gestalten.

Wie sollen die Kitas erhalten bleiben und wie kann zugleich gut auf die Entwicklungen reagiert werden, um die Betreuungsvielfalt zu bewahren und gute Bedingungen zu sichern? Mit dieser Frage haben sich seit Juni 2025 im Rahmen eines partizipativen Prozesses die Stadtverwaltung sowie Vertreter aus der Politik, den freien Trägern, den Kindertagespflegepersonen und dem Stadtelternbeirat intensiv beschäftigt. In mehreren Ausschuss-Sitzungen, Trägergesprächen und fachlichen Beratungen wurde die Situation umfassend erörtert. Ziel war es, einen Konsens zu finden, wie möglichst alle bisherigen Kitas erhalten werden können.

Vorschläge zu Schließungen wurden durch die Verwaltung nicht eingebracht – anders als in Jena oder Weimar. Vielmehr standen konkrete Lösungsansätze im Fokus des Prozesses, die sowohl die Refinanzierung von Betriebskosten beinhalteten als auch Ideen für die Umnutzung von freiwerdenden pädagogischen Räumen für weitere soziale Angebote lieferten. Im November 2025 konnte dann ein Konsens mit allen Beteiligten gefunden und mehrheitlich beschlossen werden.
Vor diesem Hintergrund nimmt die Stadt sowohl die aktuelle Kritik von Akteuren, die selbst eng in den partizipativen Prozess eingebunden waren, als auch die vorgebrachten neuen Forderungen zur Refinanzierung der Kitas mit Sorge um die gemeinsame Einigung zur Kenntnis.

Denn gerade die Sicherheit für Eltern und Fachkräfte sollte durch den mühsam erarbeiteten Konsens langfristig garantiert werden. Erst nach Abschluss der Beratungsrunden und nach Einigung auf einen Konsens wurde die Forderung nach einem sogenannten Moratorium eingebracht. Dieses sieht vor, die Anzahl der Fachkräfte in den Einrichtungen auf dem Niveau des Vorjahres zu refinanzieren – unabhängig von der Entwicklung der Kinderzahlen.
„Wir verstehen den Wunsch nach maximaler personeller Sicherheit durch ein Moratorium sehr gut. Doch ein solches Instrument bedeutet für Einrichtungen mit sinkender Nachfrage eine Steigerung des Personalschlüssels, während andere, anhaltend sehr gut nachgefragte Kindergärten aus dem Moratorium keinen Nutzen ziehen können. Die Kindertagespflegepersonen bleiben in dem geforderten Moratorium gänzlich außen vor; sie müssten jedoch konsequenterweise mitgedacht werden, weil sie Teil des Gesamtsystems sind“, betont Jugendamtsleiter Thomas Trier.

Offen bleibt auch, wie der eingebrachte Vorschlag des Moratoriums refinanziert werden soll. Betreuungsplätze werden durch Mittel des Landes, der Kommune und durch Elternbeiträge finanziert.  Die Landesmittel sind an gesetzliche Rahmenbedingungen gebunden. Demgegenüber steht eine angespannte Haushaltslage, die eine zusätzliche Belastung in Millionenhöhe nicht zulässt.

Finanzielle Realitäten und gesamtstädtische Verantwortung

Die Stadt trägt Verantwortung für das gesamte System der Kinder- und Jugendhilfe. Eine strukturelle Überfinanzierung im Kita-Bereich ist mit Blick auf andere Bereiche in der Jugendhilfe fachlich und haushalterisch nicht vertretbar. Anstelle eines starren Moratoriums sieht die Verwaltung vielfältige Möglichkeiten für die Träger, auf den Geburtenrückgang zu reagieren; sie bezieht sich dabei ausdrücklich als kommunaler Träger mit ein:

  • Anpassung pädagogischer Konzepte und Nutzung der Kitas als Begegnungsorte für den Stadtteil
  • Zusammenlegung von Gruppen und energetische Optimierung von Räumen
  • Vorausschauende Personalplanung
  • Freiwillige Kooperationen oder Fusionen von Einrichtungen

Die Qualität der Betreuung steht dabei außer Frage. Erst im Januar 2025 wurde der Betreuungsschlüssel deutlich verbessert und gesetzlich im Thüringer Kindergartengesetz (ThürKigaG) verankert. Im U3 Bereich wurde er von 1:8 auf 1:6 angehoben, während er im Ü3-Bereich von 1:15 auf 1:12 stieg. Das Jugendamt betont, dass auch voll ausgelastete Häuser eine exzellente Qualität vorhalten und durch ein starres „Personal-Einfrieren“ nicht benachteiligt werden dürfen. Die Stadt Erfurt hält am gemeinsam vereinbarten Ziel fest: eine stabile, vielfältige und qualitativ hochwertige Kita-Landschaft, die sich verantwortungsvoll an die demografischen und finanziellen Rahmenbedingungen anpasst.

Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt