Die Autorin und Journalistin Daniela Martin gewährt am Mittwoch, dem 6. Juli 2022, um 19:00 Uhr im Erinnerungsort Topf & Söhne einen Einblick in das Leben ihrer Urgroßmutter Anna Lorenz, die 1940 mit 47 Jahren in der „Euthanasie“-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet wurde.

Daniela Martin berichtet aus dem Leben ihrer Urgroßmutter

Eher zufällig erfuhr Daniela Martin vom Schicksal ihrer Urgroßmutter. Zunächst stieß sie auf Abwehr in der Familie, als sie nach ihrer Urgroßmutter fragte. Doch schließlich erhielt sie von ihrem Großonkel eine Mappe mit Briefen: Dass dort nicht nur die Korrespondenz der Familie mit Anstalten und Behörden enthalten ist, sondern auch einige Briefe, die Anna Lorenz während ihrer Anstaltsaufenthalte an ihre Kinder schrieb, macht diesen Fall besonders eindrucksvoll.

Auf der Basis dieser Dokumente zeichnet Daniela Martin in ihrem Buch „,… Die Blumen haben fein geschmeckt‘. Das Leben meiner Urgroßmutter Anna L. (1893–1940)“ einfühlsam das Krankenschicksal ihrer Urgroßmutter nach und gibt ihr eine Stimme.

Daniela Martin wirft gleichzeitig ein Schlaglicht auf die Situation von psychisch Kranken in den Jahren des Ersten Weltkriegs, der Weimarer Republik sowie im Nationalsozialismus. Indem der Lebensbericht die zunehmende Vernachlässigung und Unterversorgung der Patienten nach 1933 deutlich macht, beleuchtet er ein bisher kaum biografisch aufgearbeitetes Kapitel der Psychiatriegeschichte in Deutschland.

Die Buchvorstellung findet in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen statt. Sie ist Teil des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „Täter, Opfer, Zeugen. Die ,Euthanasie‘-Verbrechen und der Prozess in Dresden 1947“. Bei diesem wichtigsten Prozess zur „Euthanasie“ im Osten Deutschlands standen Ärzte, Pfleger und Schwestern von Pirna-Sonnenstein und Großschweidnitz vor Gericht.

Zum Bildungsangebot zur Ausstellung zählen auch Tandemführungen von „Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen“, die von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam gestaltet werden.

Um Anmeldung per E-Mail an fsj.topfundsoehne@erfurt.de oder telefonisch unter 0361 655-1682 wird gebeten.

 

Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt

 

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