Nach acht Monaten Bauzeit können die drei Marbachbrücken von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden. Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Alexander Reintjes, Leiter des Tiefbau- und Verkehrsamtes, gaben das Brückenensemble heute offiziell frei. Mit dabei auch die Ortsteilbürgermeister der umliegenden Ortsteile.

Überquerung des Marbachs komfortabel möglich

Begleitet wurde die Freigabe von einem Spaziergang entlang des Marbachs. Dabei erfuhren interessierte Bürgerinnen und Bürger von Carmen Ballin, Projektingenieurin beim Gewässerunterhaltungsverband Gera-Gramme, Wissenswertes über die Renaturierung des kleinen Bachlaufs.

Stillgelegte Gleise und Schotterübergänge prägten lange Zeit das Bild an der „Straße der Nationen“. In Vorbereitung der Bundesgartenschau erfolgte neben der enormen Aufwertung der Geraaue auch die Offenlegung und Renaturierung des Marbachs. Damit fehlten aber ordentliche Querungsmöglichkeiten vom Berliner  zum Moskauer Platz, wie unbefestigte Trampelpfade durch den Marbach zeigten. Das ist nun Vergangenheit. Der Marbach kann an drei Stellen barrierefrei passiert werden.

Die erste der drei neuen Brücken wurde auf Höhe der „Hanoier Straße“ gebaut. Sie schafft in der Nähe der Marbach-Einmündung in die Gera eine direkte Verbindung zur Bushaltestelle der Linie 10. Die Brücke ist rund zehn Meter lang und 2,5 Meter breit. Das Brückentragwerk besteht aus Spannbeton und wurde mit einem Laufbelag aus Kunstharz versehen. Die Spannbeton-Bauweise verleiht der Brücke ein schlankes und damit gestalterisch hochwertiges Erscheinungsbild. Das Einzelvorhaben wurde durch Städtebaufördermittel bezuschusst.

Brücke Nummer zwei ist nicht weit entfernt. Sie ist eine Art Zwillingsbau zur Brücke an der „Hanoier Straße“ und ergänzt die fußläufige Verbindung der Quartiere Berliner Platz und Moskauer Platz an der Bukarester Straße. Die neue Brücke hat eine etwas höhere Neigung als ihr Zwilling und ist dennoch vollständig barrierefrei. Das Bauwerk ist konstruktiv baugleich mit „ihrer Schwester“ und ebenfalls rund zehn Meter lang. Da die Brücke aber mehr Fußgänger und Radfahrer passieren, wurde sie auf drei Meter verbreitert. Die Finanzierung des Baus erfolgte mithilfe von Fördermitteln der Marbach-Renaturierung über die Thüringer Aufbaubank durch den Freistaat Thüringen.

Während der gesamten Bauzeit beider Brücken hielt eine Behelfsbrücke die Verbindung zwischen den Quartieren aufrecht. Sie wurde nach Bauende versetzt und ermöglicht nun eine dritte Querung des Marbachs. Die Konzeption der Behelfsbrücke war von Beginn an auf eine Wiederverwendung ausgelegt.

Als dritte Brücke im Bunde fand sie westlich der Hannoverschen Straße einen festen Standort. Damit stellt sie die ehemals vorhandene Querung über den alten Gleisdamm wieder her. Mit der Öffnung des Marbachs war dort eine Lücke entstanden. Bei der Brücke handelt es sich um eine Konstruktion aus Stahlträgern mit einer Länge von 15 Metern und einer Breite von 2,3 Metern. Sie wurde mit einem stabilen Belag aus glasfaserverstärkten Kunststoff-Bohlen ausgestattet. Finanziert wurde die Brücke über die Gelder für die Renaturierung des Marbachs sowie ergänzend aus städtischen Haushaltsmitteln des Tiefbau- und Verkehrsamtes Erfurt.

Die Gesamtkosten für das Errichten des Brückenensembles belaufen sich auf 482.000 Euro, die zum großen Teil durch Fördermittel gedeckt wurden.

Hintergrund: Die Renaturierung des Marbachs

Der Marbach war aufgrund seiner Verlegung, Begradigung und Verrohrung in den 1970er Jahren in seiner Lebensraumfunktion stark eingeschränkt. Er wurde ausschließlich auf seine Funktion als Wasser- und Hochwasserableitung reduziert. Das änderte sich mit der Neugestaltung des Naherholungsparks „Nördliche Geraaue“ im Rahmen der Bundesgartenschau 2021. Im Zuge dessen wurden die letzten verrohrten 1.200 Meter des Marbachs – bis zur Mündung in die Gera – wieder offengelegt. So erhielt der Marbach seinen natürlichen Zustand zurück. Der nötige Platz dafür war schnell gefunden: die ehemalige, seit 2003 stillgelegte Bahnstrecke „Erfurt Nord – Erfurt Bindersleben“. Mit dem Rückbau von Bahnschwellen, Gleisschotter und dergleichen entstand ein neues Flussbett entlang der „Straße der Nationen“. Die Renaturierung verfolgt bis heute das Ziel, ein Biotop zu schaffen und zur Verbesserung der Naherholung beizutragen.

 

Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt

 

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