Am Freitag, dem 13. Mai, wird um 17 Uhr die Einzelausstellung von Martin Furtwängler „mehr oder weniger Ich. Malerei, Zeichnung, Grafik, Malerbücher 1976-2022“ im Foyer des Angermuseums feierlich eröffnet. Bis zum 10. Juli können Interessierte in der Schau erstmals ganz frühe, expressiv-figürliche Malereien, aber auch grafische Projekte, welche erst kürzlich fertiggestellt wurden, entdecken. Zur Eröffnung ist der Künstler anwesend und signiert auf Wunsch die zur Ausstellung erschienene Publikation.

Wilde, ungezügelte, reine Kreativität

Dr. Kai Uwe Schierz, Direktor der Erfurter Kunstmuseen, erkennt in der Arbeit Furtwänglers „wilde, ungezügelte, reine Kreativität, die da freigesetzt wurde und von Beginn an extrem kontraststark in den Farben ist“.

Aus seinem vielfältigen Werk übergab Martin Furtwängler 140 Arbeiten auf Papier als Schenkung an die Grafische Sammlung des Angermuseums. Dieses Konvolut – von Holzschnitt bis Tiefdrucktechnik, von Zeichnungen bis Radierungen – bildet einen wichtigen Teil der Ausstellung. Deren Schwerpunkt liegt auf bislang nicht gezeigten Gemälden und Zeichnungen aus dem Frühwerk von Furtwängler, die erstmals öffentlich gezeigt werden. Diese Werke werden von sehr aktuellen Arbeiten begleitet. „Der Frage nach dem roten Faden zwischen den frühen Werken und denen aus den letzten Jahren, können Besucherinnen und Besucher der Ausstellung selbst nachgehen“, bemerkt Dr. Kai Uwe Schierz. Die Schenkung von einem der „mit dieser Art von Kreativität bedeutendsten deutschen Künstler“ passt aus Schierz´ Sicht hervorragend ins Angermuseum, da dies bereits figürlich geprägte Kunst zeigt. Auch Martin Furtwängler selbst findet: „Das ist ein schöner Ort mit Verständnis für das Werk.“

 

Foto: Dr. Kai Uwe Schierz zeigt auf die Werke der Schenkung. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

 

Der vom Künstler gewählte Ausstellungstitel „mehr oder weniger Ich“ signalisiert einen intimen Blick auf sich selbst und in sich hinein, eine Reflexion des eigenen Werks, das sich in vielen Jahrzehnten zwischen subjektiver Geste, malerischen wie grafischen Experimenten und philosophischem Denken entwickelte.

Stilistisch stand Martin Furtwängler (geb. 1954 in Karlsruhe) in den späten 1970er Jahren, als er an der Westberliner Hochschule der Künste Malerei studierte, dem Neoexpressionismus jener Malerinnen und Maler nahe, die 1977 die Galerie am Moritzplatz gründeten – Helmut Middendorf, Rainer Fetting, Salomé und Bernd Zimmer – und als Neue Wilde bezeichnet wurden. Es ging um das eruptive Ausagieren von Emotionen und die Wiederaneignung der figürlich-expressiven Avantgardekunst im 20. Jahrhundert, wie sie die Brücke- und CoBrA-Maler hervorgebracht hatten. Furtwängler folgte früh seinen literarischen Neigungen, machte gefundene und eigene Texte zum Ausgangspunkt für Malereien, Künstlerbücher und Buchobjekte im Handpressendruck, die in zahlreichen Variationen zu einer besonderen künstlerischen Symbiose von Text und Bild verschmolzen.

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Sparkasse Mittelthüringen sowie die Kulturstiftung des Freistaates Thüringen.

 

Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt

 

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