Foto: Wasserwerk im Steiger/Archiv ich liebe Erfurt
Versorgungsleitungen seit mehr als 100 Jahren im Stadtwald
Nächster Teilschritt in der Zielnetzplanung der Erfurter Wasserversorgung erreicht
Vorzugsvariante bei Umweltverträglichkeitsstudie für Komplexbaumaßnahme Steiger
herausgearbeitet
Vor mehr als 150 Jahren floss zum ersten Mal Trinkwasser in einem öffentlichen
Wasserversorgungsnetz in Erfurt. Was Erfurts Stadtväter seinerzeit technisch planten und bauten, um
die wachsende Stadt und die sich entwickelnde Industrie mit Trinkwasser zu versorgen, hat viele Jahre
gute Dienste geleistet. Das Versorgungsgebiet, der Wasserbedarf durch die Wirtschaft und das
Verbrauchsverhalten der Kunden haben sich aber in diesem langen Zeitraum grundlegend verändert.
2022 war es deshalb an der Zeit, das Wasserversorgungssystem der ThüWa ThüringenWasser GmbH
für Erfurt und den Zweckverband Erfurter Becken einer grundlegenden Bewertung zu unterziehen.
Schließlich soll Erfurt weiterhin in den kommenden Jahrzehnten stabil, wirtschaftlich und technisch
effizient sowie anforderungsgerecht mit Trinkwasser versorgt werden. „Die langfristige wirtschaftliche
Entwicklung, aber auch Themen wie Hitzesommer und Klimawandel trugen dazu bei, das gesamte
System der Wasserversorgung auf den Prüfstand zu stellen“, erläutert die ThüWa-Geschäftsführerin
Susanne Kaiser die Rahmenbedingungen. Bis ins Jahr 2045 reicht der Blick des Zukunftsprojektes
GISOWA und der daraus resultierenden Zielnetzplanung für die Komplexbaumaßnahme Steiger. In den
Fokus rückt dabei das Versorgungsnetz, das unterirdisch im Steiger verläuft. Wichtige, groß
dimensionierte Versorgungsleitungen liegen seit mehr als 100 Jahren im Stadtwald.
Komplexvorhaben Steiger
Die Schadensentwicklung in diesem Bereich zeigt die Dringlichkeit des Handelns. Versorgungssicherheit
hat oberste Priorität. Auf Basis der Dargebote, der Aufbereitung und Einspeisung sowie der versorgten
Gebiete wurde der technische und bauliche Zustand der bisherigen Versorgung bewertet und
dringender Handlungsbedarf ausgemacht. In die Komplexbaumaßnahme einbezogen ist die
Vergrößerung des Hochbehälters im Steiger – des zentralen Behälters für Trink- und Löschwasser der
Innenstadt. Teil der neuen Planungen ist der Hochwasserschutz für das Wasserwerk Möbisburg, das
ca. 25 Prozent zur Wasserversorgung für Erfurt beisteuert.
Herausforderungen bietet das Vorhaben mehrere, erläutert ThüWa-Projektingenieurin Sara Bieber:
„Während des Baus können wir auf die Versorgung nicht verzichten. Die neue Leitungstrasse soll nicht
von Bäumen und Sträuchern überwachsen werden, was die lange Haltbarkeit der Leitungen und
erforderliche Reparaturen erheblich beeinträchtigen würde.“
C In Planungsprozessen sind bei bestimmten Bauvorhaben Untersuchungen über die Auswirkung des
Projektes auf die Natur und Umwelt gesetzlich vorgeschrieben, so auch bei der Komplexmaßnahme im
Steiger. Varianten wurden vorgestellt, diskutiert und die Interessen und Anforderungen der einzelnen
Anspruchsgruppen in das Verfahren eingebacht. Verschiedene Landesämter und Fachbereiche der
Stadtverwaltung waren zum Komplexvorhaben Steiger beteiligt, ebenso Umwelt- und
Naturschutzverbände.
Günstigste Variante
Nächster Schritt war die Umweltverträglichkeitsstudie, um Umweltauswirkungen vorab zu bewerten. Sie
dient der Vorsorge, beinhaltet die Beteiligung der Öffentlichkeit und prüft Einflüsse auf Menschen, Tiere,
Pflanzen, Boden, Wasser, Klima, Landschaft und Kultur- und Sachgüter. Dazu wurden verschiedene
Varianten zur planerischen und baulichen Umsetzung für die Haupteinspeisung der
Trinkwasserversorgung im Süden erarbeitet. Neben der Erweiterung vorhandener Infrastruktur wurden
auch neue Standorte für Hochbehälter und Versorgungsleitungen untersucht. Über die
umweltrelevanten Kriterien hinaus wurden ergänzend technische und wirtschaftliche Kriterien zu den
Varianten untersucht.
Nach umfassender Analyse erwiesen sich der Ersatz- und Erweiterungsneubau des bestehenden
Hochbehälters im Steiger mit insgesamt 22.000 m³ Fassungsvermögen, der Ersatz von 10 km
bestehender Trasse sowie der Neubau von knapp 7 km neuer Leitungstrasse als günstigste Variante
mit Blick auf alle Kriterien. Knapp 14 km der bisherigen Leitungstrasse werden nach Neubau der
Vorzugsvariante nicht mehr benötigt.
Wie geht es weiter?
Vorteile der präferierten Variante sind eine erwartete hohe Versorgungssicherheit für die Trinkwasser-
und Löschwasserversorgung der Erfurter Innenstadt während der Bauphase und im Betrieb. Es ist
dadurch möglich, zeitlich unabhängig die Teilprojekte in definierter Reihenfolge umzusetzen. Neben
einem hohen Maß an Versorgungsflexibilität zeichnet sich diese Variante durch die geringste
Gesamtlänge der Neubautrassen aus. Die Betriebsabläufe ändern sich nur geringfügig.
Als Nachteil wird der notwendige Eingriff in Natur und Landschaft am Standort des bestehenden
Hochbehälters Steiger gewertet. Durch eine angepasste Objektplanung können die Eingriffe in
bestehende Waldflächen im weiteren Planungsverlauf aber noch reduziert bzw. im Rahmen der
Baumaßnahme entsprechend ausgeglichen werden.
Wie geht es jetzt zeitlich weiter? Bis Ende 2027 werden die technische und die umweltrelevanten
Planungen und Gutachten ausgeführt und anschließend die Planfeststellungsunterlagen eingereicht. Ab
2028 ist die Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen, dann können die Unterlagen eingesehen werden.
Der Baustart wäre nach EU-weiter Ausschreibung damit 2030 realisierbar.
Quelle: Stadtwerke Erfurt