Foto: Jan und Tuur Verheyen beim gemeinsamen Musizieren/Privataufnahme
Am Samstag, den 31. Oktober 2026, um 16:00 Uhr spielen Jan und Tuur Verheyen aus Pelt ein kostenfreies Konzert auf dem Erfurter Carillo n im Bartholomäusturm am Anger. Die beiden Carillonneure aus Belgien gastierten bereits 2024 hier. Vater und Sohn schätzen den Klang des hiesigen Glockenspiels und das Erfurter Publikum. Ihr musikalisches Programm widmet sich der Tierwelt, angefangen bei Fossilien über Insekten, Vögeln und Katzen bis hin zum Elefanten.
Jan Verheyen ist bekannt für das von ihm initiierte Musikprojekt „Bells Lab“ – auch „The Bell Laboratory“ genannt. Das innovative, offene Musikexperiment verbindet das traditionelle Glockenspiel über Genregrenzen hinweg mit anderen Stilen wie Pop, Rock, Folk und elektronischer Musik. Besonders berühmt ist sein Tourcarillon, ein mobiles Glockenspiel auf Rädern.
Die besonderen Melodien des Carillons erklingen von März bis Oktober. Immer am letzten Samstag im Monat können sich Interessierte auf musikalische Darbietungen von Glockenspielerinnen und Glockenspielern aus aller Welt freuen. Organisiert werden die Carillon-Konzerte seit über 15 Jahren vom Erfurter Carillonneur Ulrich Seidel mit Unterstützung der Erfurter Geschichtsmuseen und des Fördervereins des Stadtmuseums. Durch dieses Engagement bleibt der musikalische Genuss für alle Zuhörenden kostenfrei.
Wie bei allen Carillon-Konzerten stellt die Buchhandlung Peterknecht zusätzlich zu den vorhandenen Sitzbänken rund um den Bartholomäusturm am Anger Stühle als Sitzgelegenheit auf. Zudem kann das Geschehen in der Spielkabine des Turms auf einem Bildschirm im Schaufenster des Buchladens live verfolgt werden, was das Musikerlebnis noch besonderer macht.
Alle Konzerttermine und Informationen zum musikalischen Programm und den Glockenspielern sind auf www.stadtmuseum-erfurt.de und unter bartholomaeusturm.de zu finden. Das nächste Konzert findet am 28. November 2026 statt, dann mit weihnachtlicher Adventsmusik.
Jan Verheyen, geboren 1976, ist Carillonneur von Hasselt und Neerpelt in Belgien, ist aber in der Carillonwelt auch für seine innovativen Projekte bekannt, die er unter dem Namen „Bells Lab“ entwickelt.
Bells Lab experimentiert mit Glockenmusik und konzentriert sich auf unterschiedliche Publikumsgruppen, spielt Musik in unterschiedlichen Genres und ist in verschiedenen Bereichen aktiv: von Theater und Tanz über Bildung bis hin zu Totalspektakeln. Um all dies zu erreichen, ist Jan Verheyen stolzer Besitzer des Tourcarillons. Hierbei handelt es sich um ein mobiles Carillon, das sowohl im Innen- als auch im Außenbereich eingesetzt werden kann.
Seit 2004 entwickelt der Musiker verschiedene Ensemblekonzerte mit einem Carillon und er kreiert auch Aufführungen mit Tanz oder Theater, wie zum Beispiel „Rocky het Klokkie“, eine Theateraufführung, bei der Kinder an Glocken und Carillons herangeführt werden. 2023 entwickelte er das Theaterstück „The boy in the belfry“. Darin erzählt er seine Geschichte als Carillonneur und lotet die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, Zeit und Ewigkeit, Humor und Ernst aus. 2024 hat er die Lecture-Performance „Carillon 2.0“ ins Leben gerufen, in der er über die Herstellung und Verwendung von Glocken, die Geschichte des Carillons und einige interessante Fakten über den Beruf eines Carillonneurs spricht.
Verheyen erhielt seine Ausbildung an der Mechelener Carillonschule und erlangte außerdem einen Master-Abschluss in Musik an der Luca school of arts in Leuven. Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied der Organisation, die 2015 das neue Glockenspiel in Neerpelt installiert hat, ein gefragter Konzertmusiker im In- und Ausland und Carillonlehrer an der königlichen Carillonschule „Jef Denyn“ in Mechelen und der Musikakademie in Mol.
Tuur Verheyen, geboren 2012, begann im Alter von vier Jahren Geige nach der „Suzuki-Methode“ bei Astrid Leeman zu lernen. Fünf Jahre später begann er bei seinem Vater Jan Verheyen Carillon-Unterricht zu nehmen. Mittlerweile hat Tuur seinen eigenen Youtube-Kanal „beiaardier Tuur Verheyen“.
Das Carillon im Erfurter Bartholomäusturm gehört zum Stadtmuseum. Mit 60 Bronzeglocken zählt es zu den größeren Instrumenten dieser Art in Deutschland. Die weltweit größten Carillons sind in Kubinka (nahe Moskau, 78 Glocken), Taejon/Südkorea (77 Glocken) und Halle an der Saale (76 Glocken).
1979 entwarf der Apoldaer Glockengießer Peter Schilling das Instrument. Die 60 Glocken wurden im selben Jahr im VEB Glockengießerei Apolda gegossen.
Das Instrument verfügt über eine Handspieleinrichtung, ein sogenanntes Stockenklavier. Der Carillonneur (Glockenspieler) sitzt vor diesem und drückt mit geballten Fäusten die Tasten des Stockenklaviers nieder. Je kräftiger er dies tut, desto lauter wird der Klang der Glocke. Der Tastaturaufbau ist einer Klaviertastatur ähnlich, jedoch sind die Abstände der Tasten zueinander wesentlich größer.
Quelle: Landeshauptstadt Erfurt (Originalmeldung)