Foto: Reinhard Kwaschik am Carillon/Privataufnahme

 

Am Samstag, den 27. Juni 2026, um 16:00 Uhr spielt Reinhard Kwaschik ein kostenfreies Konzert auf dem Erfurt Carillon im Bartholomäusturm am Anger. Der Carillonneur aus Brandenburg setzt damit ein hörbares Zeichen für Frieden und Versöhnung. Seine Melodien erklingen im Gedenken an die 1945 zerstörte Garnisonkirche Potsdam und dienen dem Aufbau des Friedenscarillons im Turm.

Klangbrücken für das Potsdamer Friedenscarillon 2026

Die Erfurter Carillon-Konzerte finden von März bis Oktober statt. Immer am letzten Samstag im Monat können sich Interessierte auf musikalische Darbietungen von Glockenspielerinnen und Glockenspielern aus aller Welt freuen. In den Sommermonaten 2026 wird es außerhalb des regulären Rhythmus weitere Sondertermine zur Reihe geben. Organisiert werden die Carillon-Konzerte seit über 15 Jahren vom Erfurter Carillonneur Ulrich Seidel mit Unterstützung der Erfurter Geschichtsmuseen und des Fördervereins des Stadtmuseums. Durch dieses Engagement bleibt der musikalische Genuss für alle Zuhörenden kostenfrei.

Wie bei allen Carillon-Konzerten stellt die Buchhandlung Peterknecht zusätzlich zu den vorhandenen Sitzbänken rund um den Bartholomäusturm am Anger Stühle als Sitzgelegenheit auf. Zudem kann das Geschehen in der Spielkabine des Turms auf einem Bildschirm im Schaufenster des Buchladens live verfolgt werden, was das Musikerlebnis noch besonderer macht.

Alle Konzerttermine und Informationen zum musikalischen Programm und den Glockenspielern sind auf Bartholomäusturm unter der Nebeneinrichtung Bartholomäusturm sowie auf der Webseite bartholomaeusturm.de zu finden. Das nächste Konzert findet bereits am 11. Juli 2026 statt.

Zum historischen Hintergrund

Das historische Carillon in der Garnisonkirche Potsdam, 1725/1730 von Albert de Grave entworfen, soll in den nächsten Jahren wieder aufgebaut werden und als Friedenscarillon mahnen, sorgsam und wertschätzend miteinander umzugehen, dem Motto folgend „Frieden nähret, Krieg verzehret“.

Otto Becker (1870 –1954) war von 1905 bis zur Zerstörung des Carillons und der Garnisonkirche dortiger „Glockenist“, wie er sich selbst nannte. Mit der Zerstörung des historischen Glockenspiels wurde auch das gesamte Notenwerk, das Otto Becker und seine Vorgänger erstellt hatten, inklusive des Gästebuchs, zerstört. Einzig das Notenheft für die Automatik des Schilling’schen Carillons Mercedes San Patricio in Argentinien ist als Vermächtnis erhalten geblieben.

Über den Carillonneur

Reinhard Kwaschik, geboren 1952 in Torgau, begann seine Laufbahn mit einer Ausbildung im Orgelbau bei A. Voigt in Bad Liebenwerda. Nach Studien der Kirchenmusik in Halle an der Saale und der Theologie in Leipzig war er viele Jahre als Pfarrer, Rektor des Diakoniewerks Halle und später als geschäftsführender Pfarrer in Altenburg tätig.

Seit 2018 beschäftigt er sich intensiv mit der Glockenkunst, insbesondere mit Glockenguss und Glockenmusik. Er nahm an Workshops der Deutschen Glockenspielvereinigung e. V. in Hannover teil und wurde von Frank Müller in Magdeburg zum Carillonneur ausgebildet. Derzeit ist er Student bei Jan Verheyen an der Königlichen Carillonschule „Jef Denyn“ im belgischen Mechelen. Studienaufenthalte führten ihn unter anderem nach Hannover, Halle, Gera, Wiesbaden, Mechelen und Kloster Heiligenkreuz in Österreich.

Als Carillonbeauftragter der Stiftung Garnisonkirche Potsdam war Reinhard Kwaschik für den Aufbau des Otto-Becker-Archivs mitverantwortlich und engagiert sich in der Projektgruppe Friedenscarillon Potsdam am Neubau eines Carillons mit 51 Glocken nach historischen Vorbildern von Jan Albert de Grave. Das Friedenscarillon soll künftig im Turm der Garnisonkirche Potsdam erklingen und die barocke Architektur mit der anerkannten Kunst des Glockengusses und der Glockenmusik verbinden. 2021 erfolgte unter seiner Mitwirkung die Restaurierung des Carillons der „Klingenden Stele“ in Potsdam und er koordinierte dort den Spielbetrieb. Seit 2025 ist er Carillonbeauftragter der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e. V. (kurz FWG) und engagiert sich für den Aufbau des Friedenscarillons im Turm der Garnisonkirche Potsdam als hörbares Zeichen für Frieden und Versöhnung.

Zum Erfurter Carillon

Das Carillon im Erfurter Bartholomäusturm gehört zum Stadtmuseum. Mit 60 Bronzeglocken zählt es zu den größeren Instrumenten dieser Art in Deutschland. Die weltweit größten Carillons sind in Kubinka (nahe Moskau, 78 Glocken), Taejon/Südkorea (77 Glocken) und Halle an der Saale (76 Glocken).

1979 entwarf der Apoldaer Glockengießer Peter Schilling das Instrument. Die 60 Glocken wurden im selben Jahr im VEB Glockengießerei Apolda gegossen.

Das Instrument verfügt über eine Handspieleinrichtung, ein sogenanntes Stockenklavier. Der Carillonneur (Glockenspieler) sitzt vor diesem und drückt mit geballten Fäusten die Tasten des Stockenklaviers nieder. Je kräftiger er dies tut, desto lauter wird der Klang der Glocke. Der Tastaturaufbau ist einer Klaviertastatur ähnlich, jedoch sind die Abstände der Tasten zueinander wesentlich größer.

Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt