Foto: Die Leitlinie soll es ermöglichen, Schulbauprojekte künftig noch effizienter und schneller umzusetzen/Stadtverwaltung Erfurt

Mit der neuen Schulbauleitlinie schafft die Landeshauptstadt Erfurt erstmals einen einheitlichen Rahmen für die Planung, den Neubau, die Erweiterung und die Sanierung ihrer Schulen. Die Leitlinie definiert verbindliche Standards, systematisiert Planungsprozesse und soll dazu beitragen, Schulbauprojekte künftig effizienter und schneller umzusetzen. Ziel sind moderne, funktionale, nachhaltige und wirtschaftliche Schulen, die gute Bedingungen für Bildung und zeitgemäßes Lernen bieten.

Die Anforderungen an die schulische Infrastruktur der Landeshauptstadt Erfurt verändern sich kontinuierlich. Zugleich besteht an zahlreichen Schulstandorten weiterhin erheblicher Sanierungsbedarf. Mit dem 2022 vom Stadtrat beschlossenen Programm zur Sanierung der kommunalen Schulen und zur Umsetzung des Schulnetzplans hat sich Erfurt deshalb ein ambitioniertes Arbeitsprogramm gegeben.

Um dieses Programm erfolgreich umzusetzen, reicht es nicht allein aus, Bau- und Sanierungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Auch die Art und Weise, wie Schulbauprojekte geplant, abgestimmt und umgesetzt werden, muss weiterentwickelt werden. Genau hier setzt die neue Schulbauleitlinie an.

Sie bündelt das Fachwissen und die praktischen Erfahrungen aus den Bereichen Bauwesen, Gebäudemanagement und Bildung und übersetzt sie in einen gemeinsamen Standard. Damit müssen grundlegende Anforderungen nicht bei jedem neuen Schulbauprojekt erneut definiert und abgestimmt werden. Wiederkehrende Fragestellungen können auf einer verlässlichen Grundlage bearbeitet, Planungsprozesse vereinheitlicht und Entscheidungen schneller getroffen werden.

„Wir müssen beim Schulbau nicht jedes Mal das Rad neu erfinden. Wenn Anforderungen wiederkehren, brauchen wir klare Standards und systematische Lösungen. Das spart Planungsaufwand, schafft Verlässlichkeit und hilft uns dabei, schneller vom Beschluss zur Umsetzung zu kommen. Die Schulbauleitlinie ist deshalb nicht nur ein Qualitätsstandard für unsere Schulen, sondern auch ein wichtiger Baustein für effizienteres kommunales Bauen“, sagt Matthias Bärwolff, Beigeordneter für Bau, Verkehr und Umwelt.

Die Leitlinie beschreibt sowohl bautechnische als auch schulorganisatorische und räumliche Standards. Sie richtet sich an die beteiligten Fachämter der Stadtverwaltung ebenso wie an Architektur- und Ingenieurbüros sowie weitere am Schulbau beteiligte Akteurinnen und Akteure. Gleichzeitig bleibt sie flexibel genug, um Besonderheiten eines Schulstandortes, spezielle pädagogische Schwerpunkte oder andere individuelle Anforderungen berücksichtigen zu können.

Im Mittelpunkt stehen Schulen als moderne Lern- und Lebensorte. Die Leitlinie formuliert klare Qualitätsansprüche an künftige Schulgebäude. Sie sollen inklusiv und barrierefrei sein und allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen. Digitale Infrastruktur wird von Beginn an als selbstverständlicher Bestandteil mitgedacht. Flexible und multifunktionale Räume sollen unterschiedliche pädagogische Konzepte ermöglichen und auch auf künftige Veränderungen im Schulalltag reagieren können.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Nachhaltigkeit. Schulgebäude sind langfristige Investitionen, die über viele Jahrzehnte genutzt werden. Energieeffiziente Bauweisen, erneuerbare Energien, ressourcenschonende Materialien sowie Aspekte des Natur- und Artenschutzes gehören deshalb zu den Planungsgrundsätzen. Neben der ökologischen Nachhaltigkeit spielt dabei auch die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes eine wichtige Rolle.

Ergänzt wird die Schulbauleitlinie durch die Erfurter Bemessungsgrundlage. Sie regelt transparent, wie Schulkapazitäten berechnet werden und welche Räume für einen funktionierenden Schulbetrieb erforderlich sind. Damit schafft sie eine einheitliche Grundlage für die Schulentwicklungsplanung und für konkrete Bauvorhaben.

Aus Sicht der Landeshauptstadt reicht die Frage nach Standards im Schulbau perspektivisch über Erfurt hinaus. Die grundlegenden Anforderungen an gute Schulgebäude ähneln sich in den Kommunen und Ländern: Kinder brauchen gute Lernbedingungen, Lehrkräfte funktionale Arbeitsplätze und Schulträger wirtschaftliche, nachhaltige und dauerhaft nutzbare Gebäude. Deshalb kann eine stärkere Vereinheitlichung und Systematisierung von Standards auch über kommunale und Ländergrenzen hinweg sinnvoll sein. Nicht jede Stadt und nicht jedes Bundesland muss für wiederkehrende Aufgaben eigene Lösungen von Grund auf neu entwickeln.

„Gute Bildung und gute Bedingungen für unseren Nachwuchs sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Natürlich gibt es unterschiedliche Schulformen, pädagogische Konzepte und örtliche Gegebenheiten. Bei vielen baulichen Grundanforderungen können wir aber voneinander lernen und stärker mit gemeinsamen Standards arbeiten. Je mehr Wissen, erprobte Lösungen und Standards wir teilen, desto mehr Zeit und Ressourcen können wir in die eigentliche Aufgabe investieren: gute Schulen zu schaffen“, so Bärwolff.

Mit der Schulbauleitlinie geht Erfurt diesen Weg zunächst auf kommunaler Ebene. Einheitliche Vorgaben sollen Planungs- und Abstimmungsprozesse verschlanken, die Zusammenarbeit der Beteiligten erleichtern, wirtschaftliche Lösungen fördern und zugleich eine dauerhaft hohe Qualität sichern.

Davon profitieren vor allem die Menschen, die die Schulen täglich nutzen: Schülerinnen und Schüler erhalten moderne, gesunde und gut ausgestattete Lernorte, Lehrkräfte funktionale Arbeitsbedingungen. Zugleich erhält die Stadt ein Instrument, mit dem sich die umfangreichen anstehenden Investitionen in die Erfurter Schullandschaft strukturierter und effizienter umsetzen lassen.

Die neue Schulbauleitlinie ist damit ein weiterer wichtiger Baustein, um den Sanierungsstau an Erfurter Schulen abzubauen und die Bildungsinfrastruktur der Landeshauptstadt langfristig zukunftsfest aufzustellen.

Herausgeber: Stadtverwaltung Erfurt

Redaktion: Amt für Gebäudemanagement, Amt für Bildung

Quelle: Landeshauptstadt Erfurt (Originalmeldung)