Grafik: Banner zum Open Call 2027 Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt

Mit einem großangelegten Open Call mit Publikumsvoting erprobt die Stadt Erfurt eine neue Form der Bürgerbeteiligung in der Kultur. Die Räume der Formatfläche Def.Inition in der Defensionskaserne auf dem Erfurter Petersberg sollen im kommenden Jahr mit innovativen und unkonventionellen Ausstellungs- und Projektideen bespielt werden. Bewerbungen können bis 16. Oktober 2026 eingereicht werden.

Zwei Zeiträume inklusive finanzieller Zuschüsse stehen hierfür zur Verfügung. Der thematische Fokus liegt auf Fragen der Gegenwart, die Erfurter Bürgerinnen und Bürger bewegen. Das Besondere an dem Modellprojekt: Nicht ein Fachgremium, sondern das künftige Publikum entscheidet im Rahmen einer öffentlichen Voting-Ausstellung im Februar 2027 direkt darüber, welche Projekte den Zuschlag erhalten und umgesetzt werden. Damit geht die Stadt neue Wege der Kulturförderung und Raumvergabe und entwickelt die Def.Inition weiter in Richtung eines Bürgermuseums, das aktuelle Diskurse aufgreift und abbildet.

Kulturschaffenden, Kreativen oder Kollektiven, die sich für die Bespielung der Räume bewerben wollen, stehen 2027 zwei Zeiträume zur Verfügung. Für diese gelten unterschiedliche Konditionen.

Für den ersten Zeitraum von Mai bis Juni 2027 werden die sieben Räume der Def.Inition einzeln vergeben. Orientieren sollen sich die Projekte und Formate an einem gemeinsamen Thema: „Defensiv/Offensiv“. Das Thema nimmt Bezug auf die historische Funktion der Defensionskaserne – gebaut zum Schutz, zur Abwehr und Abgrenzung. Gesucht werden Arbeiten, die sich mit Spannungsfeldern wie Schutz und Öffnung, Rückzug und Konfrontation, Vergangenheit und Aufbruch auseinandersetzen. Genregrenzen gibt es dabei bewusst nicht: Willkommen sind etwa multimediale Angebote, szenografische Ideen, Informationsdesign, Installationen, Performances oder andere experimentelle Formate. Pro Raum und Projekt stellt die Kulturdirektion einen Zuschuss von 2.000 Euro zur Verfügung.

Für den zweiten Zeitraum von September bis Oktober 2027 wird ein Gesamtkonzept für alle Räume der Def.Inition gesucht. Ein sich bewerbendes Kollektiv, eine Gruppe oder eine Organisation kann und soll auch hier bewusst Genregrenzen sprengen und verschiedene Darstellungsformen kombinieren. Im Vordergrund stehen vor allem interdisziplinäre und partizipative Ansätze. Dafür stellt die Stadt Erfurt eine ergänzende Finanzierung von bis zu 15.000 Euro zur Verfügung, wobei sie ein schlüssiges Konzept zur Co-Finanzierung in mindestens gleicher Höhe voraussetzt.

Beide Nutzungszeiträume umfassen jeweils rund zwei Monate inklusive Auf- und Abbau. Die Räume und technische Infrastrukur werden dabei mietkostenfrei zur Verfügung gestellt. Auch die für die öffentliche Zugänglichkeit erforderlichen Aufsichtskräfte werden von der Kulturdirektion gestellt. Daneben unterstützt die Kulturdirektion die ausgewählten Projekte bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Eine Besonderheit des Open-Call-Verfahrens ist der Entscheidungsprozess: Alle formal zugelassenen Einreichungen präsentieren sich im Februar 2027 öffentlich in einer Voting-Ausstellung in der Def.Inition. Damit wird die Präsentation selbst bereits zum Teil des Wettbewerbs: Die Bewerberinnen und Bewerber sollen ihre Ideen so vermitteln, dass Besucherinnen und Besucher Lust bekommen, sich für deren Umsetzung zu entscheiden. Die Abstimmung findet vor Ort und gegebenenfalls zusätzlich digital statt.

„Das macht die Def.Inition zu einem echten Pionierprojekt für kulturelle Teilhabe“, betont Kulturdirektor Dr. Christian Horn. „Mit der Def.Inition wollen wir nicht nur neue Ausstellungsformate ermöglichen, sondern auch ausprobieren, wie Kulturproduktion und Publikumsbeteiligung neu gedacht werden können. Das Publikum wird hier vom Betrachter zum Mitentscheider.“

Um die Projekte vor und in der Voting-Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können, erbittet die Kulturdirektion von den Bewerbenden neben einem Steckbrief mit Projektidee, Konzept und Finanzierungsplan auch ein Bewerbungsvideo. Die Voting-Ausstellung versteht sich als Teil der öffentlichen Debatte, an welchen Ausstellungsthemen und Präsentationsformen Bürgerinnen und Bürger besonders interessiert sind.

Bewerbungsschluss für beide Zeiträume ist der 16. Oktober 2026. Am 23. September 2026 findet um 16:00 Uhr ein Online-Infotreffen statt. Interessierte Bewerberinnen und Bewerber können sich unter info-def@erfurt.de dafür anmelden und gern auch ihre Fragen bereits mit der Anmeldung mit schicken. Die vollständigen Ausstellungsunterlagen, Grundrisse, der Bewerbungssteckbrief sowie weitere Informationen stehen unter www.erfurt.de/definition/opencall zur Verfügung.

Die Def.Inition ist eine offene Formatfläche der Kulturdirektion Erfurt in der historischen Defensionskaserne auf dem Erfurter Petersberg. Sie erprobt neue, unkonventionelle Formen kultureller Vermittlung und Partizipation und trägt zur Aktivierung des Petersberg-Quartiers bei. Das Projekt wurde 2023 als Bürgermuseum durch den Stadtrat der Landeshauptstadt beschlossen, mit dem Ziel einer „zeitgemäßen und modernen Inszenierung wechselnder inhaltlicher Schwerpunkte zwischen geschichtlichen, volkskundlichen, künstlerischen und aktuellen regionalspezifischen Themen“, wodurch „eine breite Aufmerksamkeit unter den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Erfurt erzeugt werden“ soll. Die Kulturdirektion Erfurt bespielt diesen neuartigen Ausstellungsort zunächst im Probebetrieb bis zum Ende des Jahres 2027.

Seit ihrer Eröffnung im Februar 2026 wurden in der Def.Inition bereits vielfältige Ausstellungformate umgesetzt, etwa immersive Installationen und diverse künstlerische Formate. Die rund 500 Quadratmeter in sieben Räumen auf zwei Etagen der Defensionskaserne haben zuletzt unter anderem Kunststudierende der Universität Erfurt, das Atelierhaus „Saline34“ und zuletzt die Ausstellung Origo³ mit Arbeiten von Alex Katsuragawa, Michael Ritzmann und Elias Lory bespielt. Im Herbst wird der Erinnerungsort Topf & Söhne die Fläche für eine Sonderausstellung nutzen. Mit dem Open Call öffnet die Kulturdirektion die Fläche nun erstmals auch für die öffentliche Abstimmung über die dort gezeigten Inhalte.

Quelle: Landeshauptstadt Erfurt (Originalmeldung)