Foto: Schottenkirche/Archiv ich liebe Erfurt

Historische Kirchen sind weit mehr als Orte des Glaubens: Sie prägen Stadtbilder, stiften Identität und verbinden Menschen. Gleichzeitig stehen viele Kirchengebäude angesichts sinkender Mitgliederzahlen, veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und knapper werdender Ressourcen vor großen Herausforde-rungen. Wie können diese Orte auch künftig erhalten und mit neuem Leben gefüllt werden? Dieser Frage widmen sich die 33. Erfurter Denkmaltage vom 8. bis 13. September 2026 unter dem Motto „Netzwerke – Orte verbinden“.

Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf der Schottenkirche. Das historische Kirchengebäude wird im kommenden Jahr aus der gottesdienstlichen Nutzung entlassen und steht damit exemplarisch für den Wandel, vor dem zahlreiche Kirchen stehen. Im Rahmen der Denkmaltage wird deshalb nicht nur die Geschichte und Bedeutung der Schottenkirche beleuchtet, sondern vor allem ein Blick auf ihre mögliche Zukunft geworfen.

Im Mittelpunkt der Eröffnungsveranstaltung der Denkmaltage am Dienstag, den 8. September um 18:30 Uhr steht die Ausstellung „Umnutzung der Schottenkirche – Entwürfe für eine ökumenische Jugendkirche“. Im Rahmen eines interdisziplinären Projektseminars der Fachhochschule Erfurt haben Studierende des Masterstudiengangs Architektur gemeinsam mit Studierenden des Bauingenieurwesens Ideen für eine mögliche zukünftige Nutzung entwickelt. Entstanden sind neun Entwürfe, die zeigen, wie aus der Schottenkirche ein offener Ort für junge Menschen und ein Treffpunkt über Konfessionsgrenzen hinweg werden könnte. Vorgesehen sind unter anderem ein Begegnungs- und Cafébereich, Seminar- und Gruppenräume sowie neue Nutzungsideen für den Turm und die Außenbereiche.

Die beteiligten Lehrenden und Studierenden stellen die Entwürfe vor. Daneben geben Vertreter der Katholischen Innenstadtgemeinde Einblicke in deren Transformationsprozess und das Publikum bekommt ausgewählte Programmempfehlungen für die diesjährigen Denkmaltage. Die Eröffnungsveranstaltung der Denkmaltage wird in deutsche Gebärdensprache gedolmetscht und musikalisch von Anja Mann begleitet. Die Ausstellung ist anschließend von Mittwoch bis Samstag jeweils von 15:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.

Auch über die Eröffnung hinaus widmen sich mehrere Veranstaltungen der Erfurter Denkmaltage dem Thema Kirchen im Wandel. Bei einer Führung mit Dr. Rainer Müller vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie steht die Baugeschichte der Schottenkirche im Mittelpunkt. Beim Podiumsgespräch „Wie viele Kirchen brauchen wir? Perspektiven für Kirchengebäude in Stadt und Land“ diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchgemeinden, Verwaltung und Denkmalpflege über Chancen und Herausforderungen von Um- und Nachnutzungen.

Neben dem Schwerpunkt Kirchen bieten die Denkmaltage zahlreiche weitere Möglichkeiten, Erfurt und seine Denkmale neu zu entdecken. Im Bahnhallenquartier geben Vorträge und Führungen Einblicke in die Entwicklung des Areals, die Reichsbahndirektion sowie die dortige Urban-Art- und Graffiti-Szene. In der Alten Bahnpostkantine ist zudem die Ausstellung „Baustelle Transformation. Zehn Strategien für Stadt und Land“ zu sehen.

Eine besondere Gelegenheit bietet die Defensionskaserne: Dort öffnet täglich die Def.Inition ihre Türen und präsentiert die eigens für die Denkmaltage konzipierte Ausstellung „Wirkspace“. Im Mittelpunkt stehen kulturelle Netzwerke und ihre Orte in Erfurt und die Frage, was sie leisten, sie verbindet und wie sie funktionieren.

Auch die Erfurter Ortsteile rücken in den Blick: Führungen gibt es unter anderem in Gispersleben, Vieselbach und Bischleben/Stedten. Auf dem ehemaligen Burghof Vieselbach lassen sich Baufortschritte verfolgen, während die Führung über das Gelände der ehemaligen Brauerei Deinhardt einen Blick auf geplante neue Nutzungen wirft. In St. Elisabeth in Bischleben/Stedten steht am Samstag die besondere Gestaltung der Rokoko-Kirche im Mittelpunkt.

Ein besonderes Erlebnis verspricht die DenkMalNachtRadTour am Freitag, 11. September, von 18:30 bis 21:30 Uhr. Die Fahrradtour führt „Auf den Spuren Hamburger Architekten und Bauherren der 1920er Jahre“ durch die Oststadt und endet am Domplatz.

Historische Spuren lassen sich außerdem bei der Grabung am Rathausparkplatz entdecken. Mehrere Führungen geben Einblicke in die archäologischen Untersuchungen am ehemaligen jüdischen Tanzhaus und die Geschichte der zweiten jüdischen Gemeinde in Erfurt. Rückblicke auf die Stadtgeschichte bieten unter anderem Veranstaltungen zur Entwicklung des Brühls, zu den Domplatzhäusern sowie historische Filme über Erfurt vor 100 Jahren.

Zahlreiche Führungen sind bereits ausgebucht. Für einige Veranstaltungen sind noch Anmeldungen möglich. Dazu gehören unter anderem die Fotografie-Wanderung durch den Steiger, Führungen am Thüringer Landtag, verschiedene Angebote auf dem Petersberg – darunter das VR-Erlebnis und Kinderführungen zum Tag des offenen Denkmals – sowie Führungen zu Kriegsgräbern auf dem Erfurter Hauptfriedhof und im Dreienbrunnenbad.

Das vollständige Programm der 33. Erfurter Denkmaltage mit allen Veranstaltungen und Anmeldehinweisen ist im Programmheft und online unter Denkmaltage Erfurt zu finden.

Quelle: Landeshauptstadt Erfurt (Originalmeldung)