Foto: Angermuseum/Archiv ich liebe Erfurt

Übergabe im Rahmen der Kunstpause

Anlässlich des 100. Geburtstags des Leipziger Malers und Grafikers Gerhard Kurt Müller (1926-2019) erhält das Angermuseum Erfurt eine bedeutende Schenkung aus dem Nachlass des Künstlers. Die Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung überlässt dem Museum ein umfangreiches Konvolut von Zeichnungen aus der Serie „La Grande Guerre“. Im Rahmen der „Kunstpause am Mittag“ findet am Mittwoch, dem 7. Oktober um 13 Uhr die feierliche Übergabe der Kurt-Müller-Stiftung, vertreten durch Ilse Stein, an die Direktorin der Erfurter Kunstmuseen, Prof. Dr. Elke Anna Werner und Cornelia Nowak, Leiterin der grafischen Sammlung des Angermuseums, statt.

Daneben wird Müllers Gemälde „Knabe mit Trommler“ (1983/84) aus dem Bestand des Angermuseums vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

Gerhard Kurt Müller zählt zu den Hauptvertretern der ersten Generation der Leipziger Schule. Sein 1983/84 entstandenes Gemälde „Knabe mit Trommler“, zu sehen in der Sammlungspräsentation „Goldlack und Kakteen. Aufbrüche, Umbrüche und die Kunst in Erfurt“ des Angermuseums Erfurt, ist eines seiner Hauptwerke. Mit seiner ersten Frau, der Malerin Petra Flemming, lebte und arbeitete Müller mehrere Jahre im kleinen Ort Friedrichsdorf nahe Erfurt. Während dieser Zeit erhielt er den Auftrag zur Realisierung des Gemäldes, an dessen Erwerb das Angermuseum unter Leitung seines damaligen Direktors Rüdiger Helmboldt Interesse zeigte. „Es gibt keinen zweiten Maler in der DDR, der stereometrische Konstruktionen so radikalisiert wie Müller. ‚Knabe und Trommler‘ ist mit seinem beängstigenden kubistischen Rhythmus ein Beispiel dafür. Solche Malerei ist tatsächlich ein Novum…“, würdigte der Kunsthistoriker Lothar Lang in der Zeitschrift „Die Weltbühne“ 1986 das Werk.

Nach dem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig wirkte Gerhard Kurt Müller dort als Dozent und war zeitweise deren Rektor. Zu seinen namhaften Schülern zählen Karl-Georg Hirsch, Rolf Münzner und Baldwin Zettl. Seine Gemälde und Skulpturen befinden sich in zahlreichen renommierten Museen Deutschlands. Müller entwickelte aus klaren, monumentalen Formen eine eindringliche, unverwechselbare Bildsprache. Hauptthema seines umfangreichen Schaffens war unter anderem die Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt.

Der Roman „Le Feu“ von Henri Barbusse, der erste bedeutende Antikriegsroman über den Ersten Weltkrieg, hatte Gerhard Kurt Müller in den 1970er Jahren zur Verarbeitung des Geschehens in großformatigen Holzschnitten angeregt. Daran anknüpfend entstand in den Jahren 2002/03 eine Serie von 80 Zeichnungen. Neben dieser Lektüre waren es vor allem Müllers Erinnerungen an den eigenen Einsatz im Zweiten Weltkrieg, welche die Auseinandersetzung des Künstlers mit diesem Stoff – dem Krieg als unvorstellbare menschliche Katastrophe – emotional aufluden und expressiv steigerten. Die umfangreiche Folge der Zeichnungen präsentierte das Angermuseum in Zusammenarbeit mit dem Künstler und der Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung bereits 2016 in einer Ausstellung. Nun gelangen 55 dieser wertvollen Werke in die Sammlung des Erfurter Kunstmuseums.

Quelle: Landeshauptstadt Erfurt (Originalmeldung)