Der Fuchshügel
Höchster Punkt Erfurts
Zwischen Ruhe und Verkehrskorridor
Der Fuchshügel ist mit 428 Metern die höchste Erhebung Erfurts und gleichzeitig einer der am schwersten erreichbaren Orte der Stadt. Wer hier unterwegs ist, merkt schnell: Das ist keine klassische Sonntagsausflugs‑Location, sondern ein Stück Wald, das man sich erarbeiten muss. Der Weg dorthin ist weniger ein Spaziergang als eine kleine Expedition, die einen guten Orientierungssinn/gutes Navi und etwas Geduld verlangt.
Unser erster Versuch, den höchsten Punkt der Landeshauptstadt zu erreichen, startet am Haarberg. Auf einschlägigen Routenplanern ist dort ein Weg eingezeichnet, der in den Wald und damit zum Fuchshügel führen soll. In der Realität aber: Nichts. Neben der Spielhalle am Parkplatz stehen wir vor Gestrüpp und einer Wand aus Beton. Diese befindet sich augenscheinlich auch noch auf Privatgrund. Also Plan B: Über Schellroda, unter der Autobahn hindurch, hinein ins Peterholz.
Der Weg wird schlechter, dann noch schlechter, dann ist er manchmal gar keiner mehr. Man freut sich über jede Spur eines Fahrrads oder Autos – ein Zeichen, dass hier tatsächlich schon einmal Menschen waren. Gleichzeitig hört man durchgehend das Rauschen der Autobahn, eine seltsame Mischung aus Abgeschiedenheit und naher Zivilisation. Wir wandeln zwischen Ruhe und Verkehrskorridor.
Sie haben den Gipfel erklommen
Irgendwann erreichen wir einen befestigten Forstweg, der einer leichten Steigung folgt. Und siehe da: Plötzlich stehen wir vor einer Sitzraufe. Daneben befindet sich eine große Infotafel, die bestätigt, dass wir den Ort, den wir gesucht haben, tatsächlich erreicht haben. Wir befinden uns auf dem höchsten Punkt der Stadt Erfurt – unscheinbar, still, mitten im Wald.
Mit den anerkennenden Worten „Sie haben den Gipfel erklommen“ begrüßt uns der Text auf der Tafel. Und dann werden wir aufgeklärt, wo wir hier eigentlich sind: Mitten im Peterholz, einem historischen Waldgebiet, das bis heute an der Stadtgrenze Erfurts liegt. Daran erinnern historische Grenzsteine, die rund um den Fuchshügel zu finden sind. Ohne die Tafel würde man kaum vermuten, dass dieser Ort eine besondere Bedeutung hat – es ist einfach Wald, wie es ihn vielerorts gibt. Die Information macht den Ort erst zu dem, was er ist: Ein markanter Punkt im Stadtgebiet.
Aussichtsturm wäre spektakulär
Auch als Aussichtspunkt ist der Fuchshügel nicht geeignet. Der Wald ist dicht, die Bäume hoch, der Hügel selbst eher unspektakulär. Ein Turm würde Abhilfe schaffen. Was dessen nötige Höhe angeht: Vierzig Meter sollten es schon sein, damit ein Blick auf die Stadt, deren höchster Punkt sich hier befindet, überhaupt sichtbar wird.
Besser wären 100 Meter, dann könnte der Blick von Weimar über das Thüringer Becken bis nach Erfurt streichen. Ab dieser Höhe würde der Fuchshügel zu einem echten Panorama‑Ort werden.
Keine Frage: Ein Aussichtsturm hier oben wäre spektakulär. Aber dafür bräuchte es auch Wege und eine Erreichbarkeit, die aktuell nicht gegeben ist. Es befindet sich kein Parkplatz oder Bushaltestelle in einer Entfernung zum höchsten Punkt der Landeshauptstadt, die es Menschen, die nicht weit laufen können oder wollen, einen Besuch ermöglicht. Der Zugang vom Parkplatz am Haarberg wäre da nicht ganz verkehrt. Aber: Es gibt ihn nicht – oder wir haben ihn nicht gefunden, was dann auch anderen potenziellen „Gipfelstürmern“ passieren kann. Der Ort bleibt damit ein Ziel für Menschen, die sich gern abseits der üblichen Wege bewegen.
Seit Jahrhunderten am Rand der Stadt
Trotz dieser Widrigkeiten und des fehlenden Ausblicks ist der Fuchshügel ein Ort, den zu besuchen sich lohnt. Neben der Gewissheit, hier auf dem höchsten Punkt Erfurts angekommen zu sein, ergibt sich mit der Sitzraufe und der Informationstafel, bereitgestellt vom Unternehmen ThüringenForst, ein lohnendes Wanderziel. Der Weg dorthin ist Teil des Erlebnisses – ein Stück Wald, das man nicht zufällig findet, sondern mit festem Ziel durchquert.
Wir begeben uns auf den Rückweg. Mit neuem Wissen und geschärftem Blick entdecken wir dabei noch einen der Grenzsteine. Wie auf der Tafel beschrieben, steht er hier seit Jahrhunderten am Rand der Stadt und begrüßt oder verabschiedet Reisende und Wanderer.