Stadt Erfurt gratuliert Gabriele Stötzer zum Goslarer Kaiserring
International renommierte Auszeichnung geht 2026 an Erfurter Künstlerin
Die Gratulation erfolgte im Rahmen der aktuellen Sammlungspräsentation des Angermuseums, in deren Kontext auch ein Werk der Künstlerinnengruppe Erfurt gezeigt wird – jener Arbeitsgemeinschaft, die Stötzer in den 1980er Jahren mitbegründete und die Meilensteine feministischer sowie politisch-künstlerischer Praxis setzte.
Der Goslarer Kaiserring zählt zu den weltweit bedeutendsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst und ehrt jährlich Persönlichkeiten, deren Werk einen prägenden Einfluss auf die Kunst unserer Zeit ausübt. Er wurde in der Vergangenheit u. a. an Künstlerinnen und Künstler wie Joseph Beuys, Gerhard Richter und Cindy Sherman vergeben. Die Jury begründete die Entscheidung u. a. mit Stötzers wegweisender Rolle im künstlerisch-aktivistischen Bereich und ihrem interdisziplinären Werk, das gesellschaftliche und politische Strukturen kritisch hinterfragt.
„Mit dem Goslarer Kaiserring erhält eine Künstlerpersönlichkeit höchste Anerkennung, die Erfurt über die Stadtgrenzen hinaus als Ort künstlerischer und gesellschaftlicher Reflexion prägt. Gabriele Stötzers Lebenswerk steht für Mut, Freiheit und die Kraft der Kunst, Grenzen zu überschreiten – diese Haltung würdigen wir als Stadt ausdrücklich“, so Oberbürgermeister Andreas Horn bei der Gratulation im Angermuseum.
Dr. Prof. Elke Anna Werner fügte hinzu: „Es ist uns als Kunstmuseen der Stadt eine besondere Freude, diesen Moment hier im Angermuseum zu teilen — an einem Ort, der Erfurts reiche Kunstgeschichte sichtbar macht. Gabriele Stötzers Arbeit steht für eine künstlerische Haltung, die lokale Geschichte mit globaler Relevanz verknüpft, und ist ein beeindruckendes Zeugnis dafür, wie Kunst gesellschaftliche Themen verhandelt.“
Die Stadt Erfurt würdigt mit der persönlichen Gratulation nicht nur die internationale Auszeichnung, sondern auch Stötzers jahrzehntelanges Engagement für künstlerische Freiheit, kulturelle Vernetzung und gesellschaftlichen Diskurs. Stötzers Schaffen steht exemplarisch für eine Kunst, die Grenzen zwischen Aktivismus, Performance, Bildender Kunst und feministischer Praxis aufbricht. Dieses Engagement sei ein unverzichtbarer Teil des kulturellen Selbstverständnisses der Stadt, so Horn weiter.
Mit der Verleihung des Goslarer Kaiserrings an Gabriele Stötzer erhält nun erstmals eine ostdeutsche Künstlerin diesen bedeutenden Kunstpreis. Die Jury bezeichnete Stötzer als „eine der zentralen Figuren der DDR-Kunstszene“, deren Arbeit gesellschaftliche und politische Strukturen radikal hinterfragt.
Ein Leben im Widerstand – Biografie einer herausragenden Künstlerin
Stötzer (geboren 1953 in Emleben), die als Fotografin, Super-8-Filmemacherin, Autorin und Performerin arbeitet, zählt zu den prägendsten Figuren der deutschen Gegenwartskunst, deren Werk und Wirken seit den 1970er-Jahren mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen verknüpft ist.
Nach ihrem Studium in Erfurt wurde sie wegen Solidarität mit kritischen Mitstudierenden und Protesten gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 verhaftet und im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck inhaftiert. Diese Erfahrung bildete einen prägenden Ausgangspunkt für ihr späteres künstlerisches und schriftstellerisches Schaffen.
Nach ihrer Haft initiierte sie Anfang der 1980er Jahre in Erfurt die private „Galerie im Flur“, einen wichtigen Treffpunkt der alternativen Kunstszene, bevor diese 1981 auf Druck der Staatssicherheit geschlossen wurde. 1984 war Stötzer Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe Erfurt (auch Exterra XX), die performative Aktionen, Filme, Mode-Objektschauen und andere interdisziplinäre Projekte realisierte und der Frauenkunst in der DDR eine neue Stimme verlieh.
Ein historischer Höhepunkt ihres politischen Engagements 1989 war ihre Teilnahme an der Besetzung der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit in Erfurt – eine der ersten Stasi-Besetzungen der DDR, die maßgeblich zur Sicherung der Akten und zur Aufarbeitung beitrug.
Stötzer hat nicht nur in der Bildenden Kunst, sondern auch als Autorin Maßstäbe gesetzt. 2022 erschien ihr Buch „Der lange Arm der Stasi. Die Kunstszene der 1960er, 1970er und 1980er in Erfurt – ein Bericht“, in dem sie systematisch ihre eigene Geschichte und die vieler Künstlerkolleginnen und -kollegen aus den Stasi-Akten rekonstruiert.
Für ihr politisches und gesellschaftliches Engagement wurde sie 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Die Verleihung des Kaiserrings selbst wird im Oktober 2026 in Goslar stattfinden.
Im Anschluss an die Preisverleihung wird Stötzers Werk im Herbst/Winter 2026/27 im Mönchehaus Museum Goslar ausgestellt – verbunden mit der offiziellen Kaiserring-Präsentation. Darüber hinaus wird sie in diesem Jahr ihre bisher größte Einzelausstellung im renommierten Gropiusbau in Berlin zeigen, die nationale und internationale Aufmerksamkeit auf ihr vielschichtiges Œuvre lenken wird.
Quelle: Pressemitteilungen der Landeshauptstadt Erfurt