Reinhard Schmalz
Erfurt nochmals verlassen?
Reinhard Schmalz wird in Erfurt geboren, wächst im Westen Deutschlands auf und lebt jetzt wieder in Erfurt. Hier seine „Erfurtgeschichte“:
Mit Volkspolizisten herumgestritten
Auf seinen Wegzug aus der heutigen Landeshauptstadt hat Reinhard keinen Einfluss. Wir schreiben das Jahr 1956 und seine Eltern haben beschlossen, die DDR zu verlassen. Sein Leben, welches sich bis dahin rund um die Goethestraße abspielt, ändert sich abrupt.
Foto: Reinhard (rechts) mit Spielkameraden in der Goethestraße/Privat
„Wir sind oft umgezogen in Westdeutschland und ich erinnere mich an den ersten Tag in der Schule in Göppingen, wo ich aus Hof kommend mit der fränkisch eingefärbten Art zu sprechen wie ein Exot behandelt wurde“, erinnert er sich an die Auswirkung eines der Wohnungswechsel. Die Erfurter Heimat bleibt dabei durch die Erzählungen der Eltern immer präsent. Auch durch den regelmäßigen Brief- und Paketverkehr mit den dortigen Verwandten. Mit Mitte 20 besucht Reinhard die Stadt, welche er als Kind verlassen hat das erste Mal wieder. Sie erscheint ihm anfangs fremd und es kommt auch zu Konflikten: „Ich habe mich bei einem Besuch mit Volkspolizisten herumgestritten wegen der Interpretation irgendwelcher Verkehrsregeln“, erinnert sich Reinhard an einen Besuch in der damaligen Hauptstadt des Bezirks Erfurt. Untergekommen ist er zu DDR-Zeiten bei Verwandten in der Innenstadt. Diese Besuche gehen auch nach der Wende von 1989 weiter.
Ansonsten mit Erfurt vollauf zufrieden
Ende der 2010“er Jahre entscheidet Reinhard, seinen Lebensmittelpunkt nach Erfurt zu legen. „Zum Eintritt in den Ruhestand kam alles Mögliche zusammen, was mir gesagt hat, du solltest noch mal neu anfangen und da habe ich mich für Erfurt entschieden“ – und für die Wiederaufnahme seiner fast vergessenen Leidenschaft für das Medium Radio. Nach dem Jurastudium arbeitet er in den 1980“er Jahren beim damaligen „Stadtradio Freiburg” als freier Mitarbeiter. Heute ist er beim Erfurter „Radio Frei“ wieder als Redakteur tätig. Themenschwerpunkt: Hochschulen und Wissenschaft im Rahmen der Sendung „Unterdessen“.
Reinhards Lieblingsplatz in Erfurt ist der Petersberg. Von dort genießt er den Blick auf die Innenstadt, die sich seit den 1990“er Jahren zu einer der schönsten Innenstädte Deutschlands gewandelt hat. Kritik übt er lediglich an dem spärlichen Nachtleben „Für eine Universitätsstadt sind die Straßen abends oftmals recht leer. Es gibt kaum Gaststätten, in denen man nach 21 Uhr noch essen kann- also das Leben, was ich aus anderen Universitätsstädten kenne, vermisse ich in Erfurt ein bisschen“. Ansonsten ist er mit Erfurt vollauf zufrieden.
Zum Schluss verrät uns Reinhard Schmalz, warum er in Erfurt bleiben wird: „Mir gefällt Erfurt nicht nur, weil ich es schön finde und mich hier wohlfühle, sondern auch weil alle Leute, die mich besuchen und die Stadt das erste Mal sehen, sagen, dass Erfurt eine sehr schöne Stadt ist“ – warum sollte er eine so gelobte Stadt nochmals verlassen?