Foto: Tely Büchner und Thomas Schmidt/Stadtverwaltung Erfurt

Menschen bringen Kultur zum Leuchten

Rund 40.000 Erfurterinnen und Erfurter sind ehrenamtlich aktiv. Um ihr Engagement zu würdigen, werden die „Helden des Monats“ gekürt. Aktuell sind auf den großen Werbetafeln im Stadtgebiet Tely Büchner und Thomas Schmidt vom Vorstand des Kulturquartiers Erfurt e. V. zu sehen.

„Gestalten ist möglich. Man muss es nur tun.“

Was passiert, wenn Menschen sich nicht mit dem Status quo zufriedengeben, sondern selbst gestalten wollen? Im Erfurter Kulturquartier wird genau das seit über einem Jahrzehnt gelebt – mit einem beeindruckenden Maß an ehrenamtlichem Engagement. „Wir wollten etwas verändern“, erinnert sich Mitbegründerin Tely Büchner des Kulturquartiers an die Anfänge im Jahr 2010. Damals war das ehemalige Schauspielhaus seit Jahren geschlossen, viele kulturelle Angebote in der Stadt standen auf der Kippe oder wurden nicht ausreichend gefördert. „Das war frustrierend. Aber statt nur zu klagen, haben wir beschlossen, selbst aktiv zu werden.“

Seitdem ist viel passiert. Über zehn Jahre lang wurde das Haus nahezu ausschließlich ehrenamtlich betrieben. Von Mai bis September – mangels Heizung – fanden fast jedes Wochenende Veranstaltungen statt: Konzerte, Theater, Ausstellungen. Hinter all dem steht ein Netzwerk aus rund 60 bis 70 Engagierten, unterstützt von über 1.000 Genossenschaftsmitgliedern. „Manche geben Geld, andere stehen an der Bar, andere entwickeln Veranstaltungsformate. Ohne dieses Engagement gäbe es das alles nicht“, betont Büchner.

Die Struktur hinter dem Projekt ist komplex: Verein, Genossenschaft, Arbeitsgruppen – alles greift ineinander. Ein Gremium sorgt für den Informationsfluss, Workshops begleiten die Entwicklung. Denn das Kulturquartier steht vor einem großen Wandel: der Eröffnung nach dem Umbau. Ziel ist es, künftig ein Angebot an sieben Tagen die Woche zu ermöglichen – mit einer Mischung aus Ehrenamt und hauptamtlichen Kräften.

„Das Ehrenamt bleibt ein tragender Pfeiler. Aber wir brauchen auch Strukturen, die dauerhaft funktionieren“, sagt sie. Schon jetzt werden Synergien mit Partnern wie dem Kinoklub oder dem Tanztheater genutzt. Gemeinsame Produktionen sind entstanden, Formate wurden weiterentwickelt. Dabei geht es um mehr als lokale Kultur: „Wir haben zum Beispiel mit einem Theater aus Israel zusammengearbeitet. Unser Anspruch ist es, ein Ort zu sein, der von Erfurt bis in die Welt strahlt – und umgekehrt.“

Bemerkenswert ist auch das generationsübergreifende Publikum. „Neulich war ich in Berlin auf einem Konzert und dachte: Das ist wie bei uns – Menschen von 17 bis 77, die gemeinsam Kultur erleben. Das ist heute nicht selbstverständlich.“

Mittlerweile wird das Kulturquartier deutschlandweit als Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement wahrgenommen – und auch angefragt. Leerstehende Immobilien, alternative Nutzungskonzepte, partizipative Stadtentwicklung: Das Erfurter Modell inspiriert. „Dass das alles auf ehrenamtlicher Basis begonnen hat, zeigt: Gestalten ist möglich. Man muss es nur tun.“

Quelle: Aktuelle Meldungen der Landeshauptstadt Erfurt